1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Zweibrücker Jugendbücherei: Tablets, Tonies und Theater

Zweibrücker Jugendbücherei : Tablets, Tonies und Theater

Die Zweibrücker Jugendbücherei hat ihr Medienangebot erweitert. Dennoch sind mehr als die Hälfte der ausgeliehenen Medien weiterhin Bücher.

Die Zweibrücker Jugendbücherei ist ein Fall von fast systematischer Tiefstapelei. Nicht nur, dass sich das für eine Stadt dieser Größe sehr umfangreiche Angebot ein wenig abseits im zweiten Stock der ehemaligen Hauptschule Nord versteckt: Auch das Wort „Jugendbücherei“ sagt viel weniger, als tatsächlich geboten wird. Seit Neuestem noch weniger als bisher, denn das Angebot hat sich – nicht zum ersten Mal – vergrößert. Um bekannte und weniger bekannte Medien.

Zu den bei Eltern und Großeltern bekannteren dürften die Tonies für die Toniebox gehören. Die Toniebox, gedacht für Kinder zwischen drei und acht Jahren, ist ein Abspielgerät für Hörspiele, die auf den extra erhältlichen Tonies gespeichert sind. Die Tonies, Stückpreis im Handel 14,00 Euro, haben ein elektronisches Innenleben und sind gestaltet wie Figuren aus den Hörbüchern, die sie repräsentieren: der Grüffelo, das Sams, der kleine Wassermann. Sie sehen nicht nur hübsch aus, sondern haben auch den Vorteil, dass sie länger in der Rotation bleiben können als CDs, die laut Zweibrückens oberster Bibliothekarin Roswitha Christian etwa 120 Ausleihen überleben. Die Tonieboxen selber verleiht die Jugendbücherei nicht, die wären mit 79,95 Euro pro Stücke auch ein wenig zu teuer bei einem Gesamt-Budget von rund 40 000 Euro für Neuanschaffungen von Stadt- und Jugendbücherei – und für alle Medien. Bisher sind etwas über 100 Tonies auf dem Markt, die Zweibrücker Jugendbücherei hat derzeit 50 im Angebot. Damit die nicht ständig ausgeliehen sind und die Kinder vor einem leeren Regal stehen, darf man sich nur einen Tonie auf einmal ausleihen – und sie maximal drei Wochen behalten.

Außerhalb der Erzieherinnen-Szene eher unbekannt ist das so genannte Kamishibei. Dahinter verbirgt sich ein japanisches Erzähltheater. Es besteht aus einem Holzrahmen mit zwei Flügeln und einer großen Aussparung für Hintergrundbilder – ähnlich wie ein Bilderrahmen oder eben das Bühnenbild eines Theaters. Mithilfe dieser Hintergrundbilder wird eine Geschichte erzählt. „Die Erzieherinnen sagen, dass die Kinder ganz anders mitgehen“, sagt Anne Detzler, Leiterin der Jugendbücherei. Warum Erzieherinnen? Weil sich das Kamishibei-Angebot der Jugendbücherei in erster Linie an Vermittler richtet, also vor allem an die Kitas in der Stadt. Aber auch normale Kunden der Bücherei können sich das Theater oder auch nur die Sammlungen von Hintergrundbildern (der Bühnenrahmen alleine kostet etwa 70 Euro) und weiteres Zubehör ausleihen. Damit, betont Detzler, sollen Vorlesen und Erzählen nicht verdrängt werden. „Das ist eine Ergänzung.“

Eine Ergänzung, sagt Roswitha Christian, die idealerweise „zum Buch hinführt“. „Man muss die Kinder mit neuen Sachen anlocken“, sagt sie. Denn die Ausleihzahlen gehen zurück. Wenn auch nur leicht. „Nicht so schlimm, wie es prognostiziert wurde.“ Über 50 Prozent der ausgeliehenen Medien sind weiterhin Bücher. „Es gibt kein einzelnes Medium, das dem Buch den Rang abläuft“, unterstreicht Anne Detzler. „Die Mischung ist wichtig.“

Teil der Mischung ist mittlerweile auch das Tablet. Die Zweibrücker Jugendbücherei setzt sie ein, um den Zweibrücker Kindern den kreativen Umgang mit den Geräten und Apps nahezubringen, um mit speziellen Apps selber Filme, Bücher oder Comics herzustellen. Anschauen können sich Kinder ab sechs Jahren das am 11. März ab 16 Uhr bei der Veranstaltung „Die große Wörterfabrik“. Eine Schülergruppe des Helmholtz-Gymnasiums durfte die digitale Schnitzeljagd mit App bereits ausprobieren und war, sagt Detzler, sehr angetan.