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Die Grande Dame des Theaters im Viertel: Veronika Häfele-Zumbusch geht in Rente

Porträt : Die Prinzipalin verlässt das Theater

Sie gehört zum Theater im Viertel, seit es das Theater gibt. Jetzt will Veronika Häfele-Zumbusch kürzer treten und den Vorstand des Theaters verlassen.

Nichts hatte im Leben von Veronika Häfele-Zumbusch darauf hingewiesen, dass sie einmal den Großteil ihrer freien Zeit mit Theaterarbeit verbringen würde. „In meiner Familie gab es keinen Bezug zum Theater. Und beruflich war ich seit 1970 im Öffentlichen Dienst tätig, im Haus der Gesundheit“, erzählt sie.

Alles begann im Jahr 1988. Da hatte ein Freund von Veronika Häfele-Zumbusch eine Ausstellung im damaligen Studiotheater, das später zum Theater im Viertel (TiV) wurde. „Das Studiotheater im Nauwieser Viertel war damals eine Kleinkunstbühne, und es wurden auch Ausstellungen veranstaltet“, erzählt sie. Sie habe den Freund begleitet, und „wie es dann so ist, ich wurde zuerst Zuschauerin, dann habe ich im Studiotheater ausgeholfen, wenn Not am Mann war, und dann mitgearbeitet“, sagt sie lächelnd.

Jürgen Wönne und Thom Wolff betrieben das Theater damals privat. „Das war eine besondere Atmosphäre, sehr familiär. Und im Theater mitzuarbeiten war etwas Exotisches“, erzählt sie. Die Aktiven vom Studiotheater wurden der Freundeskreis von Veronika Häfele-Zumbusch, und als die Idee aufkam, für das Theater einen Trägerverein zu gründen, der besser Fördermaßnahmen akquirieren konnte und die rechtliche Stellung verbessert, war sie dabei.

„Am 1. April 1990 wurde der Verein „Studiotheater e.V.“ gegründet“, berichtet sie. Veronika Häfele-Zumbusch war eines von sieben Gründungsmitgliedern. Seither ist sie ohne Unterbrechung im Vorstand ehrenamtlich tätig, von 1996 bis 2016 auch als Vorsitzende.

Zu Beginn wurden im Studiotheater viele Kleinkunstabende veranstaltet, sogar mit Zauberei und Lesungen, aber jede zweite Produktion entstand in Eigenregie. Und schon damals hatte man im Schnitt bis zu 150 Veranstaltungen im Jahr, so viele, wie man auch heute im TiV noch zählt. 1998 kamen Theater und Verein zu ihrem heutigen Namen.

„Innerhalb der freien Szene in Saarbrücken kennt man sich. Und in dem Jahr kam Dieter Desgranges vom Theater Musentümpel dazu, wurde dann der langjährige künstlerische Leiter“. Der Name wurde in „Theater im Viertel Studiotheater“ geändert, denn man wollte die Verbundenheit zum Nauwieser Viertel herausstellen.

Das Jahr 2011 ist noch mal ein Einschnitt. Denn da fand der Umzug in die Räume am Landwehrplatz statt. „Wir hatten vorher öffentliche Zuschüsse für die Miete erhalten. Das war immer recht kompliziert. Daher sind wir in diese Räume der Stadt gezogen, die wir mietfrei nutzen können“, erklärt sie.

Im gleichen Jahr ging sie in Rente, konnte nun noch mehr Zeit und Herzblut in die Theaterarbeit stecken. „Ich habe alle Wochenenden, meine Urlaube und auch meine freien Abende der Theaterarbeit gewidmet“, sagt sie und zuckt mit den Achseln. Denn für sie ist es eine Selbstverständlichkeit.

Und ihre Arbeit im Vorstand, die Verwaltung, Buchhaltung und Geschäftsführung, nimmt nicht nur viel Zeit in Anspruch, sie geht auch mit viel Verantwortung einher. Im Laufe der Jahre wurde Veronika Häfele-Zumbusch das Gesicht des Theaters, wurde im Jahr 2016 für ihren unermüdlichen, ehrenamtlichen Einsatz mit der Bürgermedaille der Stadt Saarbrücken ausgezeichnet.

Für sie aber ist Eines ganz klar. „Mir ist ganz wichtig: Wir sind ein Team. Wir gehen alle in die gleiche Richtung. Und allein bewirkt man gar nichts“. Und dann fügt sie hinzu, dass sie eigentlich gar nicht gern im Mittelpunkt steht und viel lieber im Hintergrund arbeitet.

So stand Veronika Häfele-Zumbusch in all den Jahren nie auf der Bühne. „Nur, um mal eine Rede zu halten“, sagt sie lachend. Und fügt hinzu, dass sie sogar ihren Lebensgefährten im Theater kennengelernt hat, Christoph Spanier, zuständig für den grafischen Auftritt des Theaters.

Nach 30 Jahren intensiver Theaterarbeit wird Veronika Häfele-Zumbusch nun aber kürzer treten. Denn bei der nächsten Vorstandswahl wird sich die Mutter zweier Kinder und Oma zweier Enkelkinder nicht mehr aufstellen lassen.

„Ich habe schon vor vier Jahren entschieden, mich langsam zurückzuziehen. Und da das Theater wirklich gut nach innen und nach außen dasteht, in der Stadt verankert ist, ist jetzt der richtige Zeitpunkt“. Normalerweise wäre sie sogar schon weg. Aber wegen Corona mussten natürlich auch die bereits geplante Vereinssitzung und die für April vorgesehene Verabschiedung ausfallen.

So ganz und gar verlässt Veronika Haefele-Zumbusch „ihr“ Theater im Viertel aber natürlich nicht. „Ich werde, wenn das Theater wieder öffnen darf, weiterhin den einen oder anderen Abend hier verbringen, aber dann nur noch als normales Vereinsmitglied“. Sagt sie und lächelt.