Großes Aufräumen nach Unwettern

Ein entgleister Zug, 100 überflutete Häuser: Die Folgen der schweren Unwetter in Rheinland-Pfalz können nur Schritt für Schritt beseitigt werden. Immerhin: Die Meteorologen erwarten vorerst keine schweren Gewitter mehr.

Nach schweren Unwettern am Wochenende in Rheinland-Pfalz mit örtlichem Hochwasser und einer Zugentgleisung dauern die Aufräumarbeiten an. Die vom Unfall betroffene Bahnstrecke im Welterbe Oberes Mittelrheintal war gestern zwar wieder freigeräumt, aber noch nicht befahrbar. Im dramatisch überfluteten Stromberg im Hunsrück beendete die Feuerwehr ihren Einsatz, die Einwohner räumten weiter in ihren Häusern auf.

Der für gestern geplante 25. Raderlebnistag "Tal total" im Oberen Mittelrheintal wurde aus Sicherheitsgründen nur einen Tag vorher abgesagt. Viele tausend Besucher waren auf den für Autos gesperrten Straßen auf einer Länge von insgesamt 120 Kilometern erwartet worden.

Am Samstag war nach einem Unwetter nahe Bacharach ein Regionalzug auf der linksrheinischen Bahnstrecke entgleist. Starkregen hatte Geröll gelöst, das dann von einem Steilhang auf die Schienen fiel. Sechs Fahrgäste und drei Bahnmitarbeiter wurden leicht, der Lokführer schwer verletzt. Die Strecke zwischen Bingen und Boppard wurde nach Angaben der Deutschen Bahn gesperrt - mindestens bis zum heutigen Montag. Die parallele Bundesstraße 9 war ebenfalls blockiert. Die Straße solle heute Morgen zunächst einspurig wieder freigegeben werden, teilte die Polizei mit.

In der Nacht zu Sonntag hievten Bergungskräfte den entgleisten Triebwagen mit einem Kran auf einen Tieflader. Danach wurden die Waggons mit einer Ersatzlok weggefahren. Experten begutachteten die Schäden an Schienen und Oberleitung. Der Fernverkehr wurde rechtsrheinisch über die Strecke Köln-Rhein/Main umgeleitet. Der Nahverkehr fuhr nur bis Bingen beziehungsweise Boppard. Dazwischen wurden die Fahrgäste mit Bussen transportiert.

Unterdessen zeigte sich, dass die vom Unwetter verursachten Schäden in und um Stromberg wesentlich größer sind als zunächst angenommen. Entgegen erster Annahmen stellte sich heraus, dass nicht nur 60, sondern etwa 100 Häuser überflutet worden waren. Experten des Technischen Hilfswerks (THW) rissen einen Schuppen kontrolliert nieder, der in den Welschbach zu stürzen drohte. Dadurch wäre es erneut zu Überschwemmungen gekommen, sagte ein Sprecher des Kreises Bad Kreuznach.

Bei einem Gewitter hatte sich am Freitag der Welschbach in einen reißenden Fluss verwandelt. Als er über die Ufer trat, stand das Wasser stellenweise zwei Meter hoch (wir berichteten). Verletzt wurde niemand. Mit Schaufeln, Besen und Eimern befreiten Feuerwehrleute und Einwohner die Häuser vom Dreck. Die Schadenshöhe war zunächst nicht bekannt. Weitere Gewitter mit Starkregen hatten am Samstag auch in Simmern und Kirchberg für vollgelaufene Keller gesorgt.

Für die kommenden Tage rechnete der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mit Entspannung in Rheinland-Pfalz. "Das turbulente Wetter der letzten Tage ist nun vorbei", teilte Meteorologin Johanna Anger gestern mit. Tief Marina habe die heiße Gewitterluft vorerst verdrängt.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD ) machte sich im Hunsrück ein Bild von der Lage und kündigte an, dass sich der Ministerrat erneut mit den Folgen der Unwetter beschäftigen werde. "Die Gewalt der Unwetter und ihre dramatischen Folgen für die Menschen vor Ort machen mehr als betroffen", sagte sie. Ein erfreulicher Lichtblick sei der Einsatz der vielen Helfer.

Anwohner beseitigen den Schlamm, den ein Unwetter in den Ortskern von Stromberg gespült hat. Foto: Thomas Frey/dpa Foto: Thomas Frey/dpa

Auch CDU-Landeschefin Julia Klöckner kam in ihren Wahlkreis nach Stromberg . "Waschmaschinen, Kücheneinrichtungen, Bodenbeläge, Möbel, alles sei zerstört, erzählten mir die Bewohner", berichtete die CDU-Bundesvize. "Viele Betroffene haben mir erzählt, dass sie gar keine Elementarversicherung gegen solche Unwetterschäden hätten, und wenn doch, diese aber nicht greife, selbst die Hausratsversicherung nicht."