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Lage für Vereine in Rheinland-Pfalz „teils dramatisch schlecht"

Existenzsorgen : „Denen helfen, die es dringend brauchen“

„Teils dramatisch schlecht“, sei die Lage für Vereine in Rheinland-Pfalz, sagt der Präsident des Landessportbundes.

Der Breitensport pausiert seit Wochen, viele Vereine sind schwer unter Druck geraten. Jochen Borchert, der Präsident des Landessportbundes Rheinland-Pfalz, spricht im Interview über die Probleme.

Herr Borchert, wie bewerten Sie die Auswirkungen der Corona-Krise für die Vereine und Verbände in Rheinland-Pfalz?

Teils unkritisch, teils dramatisch schlecht. Vereine, die sich nahezu ausschließlich über die Mitgliedsbeiträge finanzieren, geraten in aller Regel nicht in größere finanzielle Schwierigkeiten. Vereine mit größeren wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben und Zweckbetrieben haben teilweise dramatische Einnahmeverluste durch den Ausfall des Spielbetriebs, durch ausfallende Kurse, Trainingscamps, und so weiter. Bei den Verbänden sind insbesondere die mit eigenen Sportschulen massiv betroffen, da hier – wir wissen alle noch nicht wie lange – von jetzt auf gleich alle Übernachtungen, Seminare, Camps etcetera ausgefallen sind.

Wie hoch ist der zu erwartende finanzielle Schaden für den Sport in Rheinland-Pfalz?

Der Schaden ist immens – wenn auch nicht ganz genau zu beziffern. Fakt ist ja: Trotz ihrer Gemeinnützigkeit sind viele der über 6000 Sportvereine in Rheinland-Pfalz auch unternehmerisch tätig, zum Beispiel in steuerbegünstigten Zweckbetrieben, in der steuerbegünstigten Vermögensverwaltung – wie zum Beispiel durch Verpachtungen – und schließlich auch in voll steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben, wie zum Beispiel dem Betrieb eines vereinseigenen Fitnessstudios, eines Schwimmbades und einer Gastronomie. Im unternehmerischen Bereich erleiden die Sportvereine mit der vollständigen Einstellung des Sportbetriebes seit dem 16. März massive Einnahmeverluste. Dem stehen in vielen Vereinen Fixkosten gegenüber wie etwa Mieten oder Personalkosten.

Der LSB und die drei regionalen Sportbünde Pfalz, Rheinland und Rheinhessen haben in Abstimmung mit dem rheinland-pfälzischen Innenministerium eine elektronische Abfrage bei den Sportvereinen durchgeführt. Mit welchem Ergebnis?

Ziel war es, die Anzahl und Schadenshöhe der Vereine zu ermitteln, bei denen eine Existenzgefährdung drohen könnte. Nach dieser ersten Bestandsaufnahme haben rund 25 Prozent der Vereine Existenzsorgen wegen möglicher Verluste oder Einnahmerückgänge durch die Corona-Krise konkret geäußert. Grob geschätzt könnte der Schaden nur der existenziell bedrohten Vereine im mittleren einstelligen Millionenbereich liegen.

Was sind für Sie und den Sport in Rheinland-Pfalz die größten Herausforderungen in der Corona-Krise?

Für den organisierten Sport im Land ist es eine der größten Herausforderungen dafür zu sorgen, denen zu helfen, die es dringend brauchen. Insofern gilt es mit aller Kraft zu verhindern, dass möglicherweise Insolvenzen nahen und unsere Vereine existenziell bedroht werden. Zudem gilt es grundsätzlich auch mittel- und langfristig die Funktions- und Leistungsfähigkeit unserer Vereine und Verbände aufrechtzuerhalten. Der Sport ist ein wirtschaftlicher und vor allem an der Basis mit viel ehrenamtlichem Herzblut gelebter sozialer Pfeiler eines Gesellschaftssystems. Sport steht wie kaum ein anderer Lebensbereich für gesellschaftliches Miteinander, für Zusammenhalt. Er ist in Tausenden von Vereinen, vom Bambini-Kicken bis zur Seniorengymnastik, ein elementarer Teil von Freizeit, Erziehung, Bildung und Gesundheit. Dies gilt es zu bewahren.

Die Fragen stellten dpa-Mitarbeiter
Eric Dobias und Patrick Reichhardt