| 00:00 Uhr

Wie damals beim Sonnenkönig

Versailles. Er begründete den französischen Barockgarten und kreierte den Schlossgarten von Versailles. Nun wird André Le Nôtres Werk schrittweise so renoviert, wie es zur Zeit des Sonnenkönigs im 17. Jahrhundert aussah. Von SZ-KorrespondentinBirgit Holzer

Es ist ein lauer Sommerabend Ende des 17. Jahrhunderts im Schloss von Versailles, dem prunkvollen Regierungs- und Wohnsitz des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. Gäste und Hofgesellschaft sind wie immer zahlreich, und doch könnte das Lustwandeln zwischen den langen, akribisch gestalteten Alleen und in dem weitläufigen Park mit seinen prächtigen Blumenbeeten und Wasserbecken irgendwann eintönig werden. Wären da nicht die versteckten Boskette (kleine, abgeschirmte Haine), kunstvoll auf das Gelände verteilt, in denen sich die Flaneure verlieren können: Jeder von ihnen anders gestaltet und ein Kunstwerk. Wasser-Fontänen sprudeln, Musik spielt, Menschen tanzen.

Auch wenn solch legendäre Feiern vorbei sind: Was die Präsidentin des Schlosses von Versailles, Catherine Pégard, als dessen "Esprit" bezeichnet, soll nicht nur vergangene Historie sein. Jenen "Geist von Versailles" will sie in die Gegenwart holen in diesem Jahr, einem Jubiläumsjahr, mit einer Hommage an André Le Nôtre, den großen Landschaftsarchitekten und persönlichen Vertrauten Ludwigs XIV. Der 12. März als Tag von Le Nôtres Geburt im Jahr 1603 gab den Startschuss für Veranstaltungen und Ausstellungen rund um den Begründer des typisch französischen Barockgarten mit seinen harmonieverliebten Kompositionen. Ab 1662 hatte Le Nôtre vier Jahrzehnte lang an der Ausgestaltung der königlichen Gartenanlagen gearbeitet.

Seit 30 Jahren werden diese Anlagen, verteilt auf insgesamt 787 Hektar, um die sich heute 52 Gärtner kümmern, großen Restaurierungsarbeiten unterzogen, mit denen man eben den berühmten "Esprit" von einst bewahren will. Zehn der 15 Boskette wurden bereits renoviert, zugänglich sind sie allerdings nicht gratis und nur dreimal pro Woche zu den Großen Wasser-Spielen, die das Üppig-Rauschhafte vergangener Zeiten wieder aufleben lassen. "Wer moderne Gartenanlagen sucht, ist falsch in Versailles", sagt der Chef-Garten-Architekt Jacques Moulin. Die Hoffnung auf eine Vorstellung von der Zeit, als der Glanz Ludwigs XIV. weit über die Grenzen Frankreichs hinaus strahlte, ist es, die jährlich vier Millionen Besucher zu dem Schloss im Süden von Paris zieht.

Und ebenso prachtvoll wie der glamouröse Bau selbst sind die ihn umgebenden Gärten. Der König sah beides als unabdingbares Zusammenspiel, erklärt Moulin: Von seiner Jugend an hegte er ein großes Interesse für Gartenarchitektur und verfolgte zeitlebens genau, was André Le Nôtre gestaltete. Dies gelang auch dank der außergewöhnlichen Lage, die Versailles bot: Sie sei sehr dominant in alle Richtungen mit einer unendlichen Achse ohne Grenze am Horizont. Die versteckten Boskette stellten eigene kleine Welten für sich dar und sollten einen Kontrast zu den weiten Flächen bieten: "Der Luxus bestand darin, niemals etwas zu wiederholen."

Im Garten selbst ließ Ludwig XIV. zahlreiche Statuen und Vasen aufstellen. "Versailles wurde zu einer Art Show-Room für die französische Kunst in einer Zeit, wo Kunst in Europa vor allem von Italien dominiert war", sagt Alexandre Maral, der für die Skulpturen zuständige Konservator. Noch heute verteilen sich 235 Vasen und 155 Statuen in den Gärten, die zu einem der "größten Freiluftmuseen der Welt" werden, als das sich der Versailler Schlossgarten rühmt. Und zwar bis heute.