Ölpreis und Aktienmärkte erholen sich am Dienstag Saudi-Arabien verschärft Ölpreis-Krieg mit Russland

Moskau/Dubai/New York/London · Aramco kündigt an, die Produktion hochzufahren. Ölpreis und Märkte erholen sich indes von den Einbrüchen am Montag.

Saudi-Arabien hat seinen Ölpreiskrieg mit Russland am Dienstag verschärft. Die staatlich kontrollierte Ölfördergesellschaft Saudi Aramco will ihre Fördermenge deutlich anheben. Die Fördermenge solle im April um mehr als ein Viertel auf 12,3 Millionen Barrel je Tag steigen, teilte Saudi Aramco am Dienstag mit. Im Februar hatte Saudi-Arabien etwa 9,7 Millionen Barrel je Tag gefördert.

Russland zeigt sich nach dem Ölpreis-Crash und einem massiven Wertverlust des Rubels dennoch zu neuen Verhandlungen mit Saudi-Arabien über Fördermengen bereit. Ein Kompromiss bei der Reduzierung der Öl-Produktion sei nicht ausgeschlossen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Dienstag. Auf dem Ölmarkt hatte zum Wochenauftakt ein Preiskrieg begonnen. Hintergrund ist, dass sich Russland und Saudi-Arabien in der vergangenen Woche nicht darauf einigen konnten, die bisherige Vereinbarung über reduzierte Fördermengen zu verlängern. In Russland verschärfte sich die Wirtschaftskrise.

Die Ölpreise haben sich am Dienstag etwas von einem der heftigsten Einbrüche in der Geschichte des Ölmarkts erholt. Im Mittagshandel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 37,83 US-Dollar. Das waren 3,48 Dollar mehr als am Vortag. Die Ölpreise profitierten von einer Entspannung an den Finanzmärkten.

Ein erwartetes Hilfspaket in den USA gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise hat am Dienstag auch dem deutschen Aktienmarkt geholfen. Nach dem „Schwarzen Montag“ gelang dem Dax zeitweise wieder der Sprung über die Marke von 11 000 Punkte. Nach dem sehr schwachen Wochenstart, an dem der deutsche Leitindex um fast acht Prozent abgesackt war, ging es am Nachmittag um zwei Prozent auf 10 837,11 Punkte aufwärts.

Der MDax der mittelgroßen Werte rückte um 2,30 Prozent auf 23 622,82 Punkte vor. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 1,91 Prozent, und auch die US-Börsen starteten mit Erholungsgewinnen.

Am deutschen Aktienmarkt zeigte sich die große Mehrheit der Papiere auf Erholungskurs. So legten die auf Rekordtiefs gesackten Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank mit plus 7,2 Prozent und plus 9,3 Prozent zu. Informierten Kreisen zufolge prüft die deutsche Bankenaufsicht Erleichterungen.

Mit Ausnahme der Aktien des Stahlhändlers Klöckner & Co sowie des Küchenherstellers Rational erholten sich an diesem Tag auch alle weiteren Unternehmen, die ihre Geschäftsberichte vorlegten. Im MDax stiegen Symrise-Papiere um 6,2 Prozent und Uniper um 1,2 Prozent.

Im Nebenwerteindex SDax rückten Aktien von Schaeffler nach zwölf Prozent Minus am Vortag nun wieder um 11,2 Prozent vor. Wie der Industrie- und Autozulieferer zur Zahlenvorlage mitteilte, laufen alle seine chinesischen Fabriken wieder.

Der Euro gab nach den starken Kursgewinnen am Vortag nach und wurde am frühen Nachmittag mit 1,1378 US-Dollar gehandelt.