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Coronavirus und Ölpreis-Crash lösen Panik an Aktienmärtken aus

Dax bricht ein : Panikverkäufe an den Aktienmärkten

Das neuartige Coronavirus und ein Ölpreis-Crash haben am Montag weltweit die Aktienmärkte einbrechen lassen.

Schwarzer Montag am deutschen Aktienmarkt: Panikartig sind die Anleger zu Wochenbeginn wegen wachsender Rezessionssorgen und der zusätzlichen Gefahr eines Ölpreiskrieges in sicherere Häfen geflüchtet. Die Aktienkurse sackten unmittelbar nach dem Handelsstart ab. In wenigen Minuten raste der Dax fast 1000 Punkte abwärts. Die Gewinne aus dem vergangenen Jahr sind damit fast weg.

Zum US-Börsenstart am Nachmittag fiel der deutsche Leitindex kurzzeitig unter die Marke von 10 600 Punkten und stand zuletzt dann mit 8,31 Prozent auf 10 582,77 Punkte im Minus. „Der heutige Handelstag dürfte in die Geschichtsbücher eingehen“, konstatierte ein Marktbeobachter.

Der MDax der mittelgroßen Börsentitel ging zuletzt um 6,30 Prozent auf Talfahrt und stand damit bei 23 191,99 Punkten. Auch europaweit gerieten die Aktienmärkte – wie zuvor bereits in Asien – stark unter Druck. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sackte am Nachmittag um 8,27 Prozent ab. Ebenso brach der US-Aktienmarkt ein. Nach panikartigen Verkäufen unmittelbar nach der Startglocke wurde der Aktienhandel für 15 Minuten unterbrochen. Nach der Wiederaufnahme büßte der Dow Jones Industrial zuletzt gut sechs Prozent auf 24 299,02 Zähler ein und fiel auf den tiefsten Stand seit Anfang 2019.

Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners sprach von einem „regelrechten Blutbad“. Zum Kampf gegen das neuartige Coronavirus und die Rezessionssorgen komme jetzt noch der Ölpreiskrieg dazu. Nach den gescheiterten Verhandlungen von Ölförderstaaten am Freitag ist nun der Streit zwischen Saudi-Arabien und Russland über die künftige Fördermenge eskaliert. Angeblich erwägt Saudi-Arabien, seine Fördermenge in den kommenden Monaten zu erhöhen, was dann womöglich auch Russland zu einer ähnlichen Aktion bewegen könnte. Die Ölpreise sind daraufhin am Montag so heftig abgestürzt wie seit etwa 30 Jahren nicht mehr. Anfangs betrug der Preisrutsch etwa 30 Prozent, nach einer leichten Erholung im Tagesverlauf betrugen die Verluste noch etwas mehr als 20 Prozent. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 35,25 US-Dollar.

„Die Anleger fliehen aus allem, was Risiko hat“, sagte Altmann. Zuflucht suchten sie etwa in Staatsanleihen und bestimmten Währungen. So stiegen am deutschen Rentenmarkt die Kurse der Bundeswertpapiere deutlich, während die Renditen entsprechend heftig in den Keller rauschten: Die Umlaufrendite sackte auf ein Rekordtief von minus 0,82 Prozent, nach minus 0,71 Prozent am Freitag. Der Rentenindex Rex stieg deutlich um 0,40 Prozent auf 147,49 Punkte. Der Bund-Future (Juni-Kontrakt) sprang um 1,59 Prozent auf 179,10 Punkte hoch. Der Euro legte ebenfalls stark zu und wurde am Nachmittag mit 1,1470 US-Dollar gehandelt.

Nachrichten zu einzelnen Unternehmen spielten angesichts des Ausverkaufs an den weltweiten Börsen so gut wie keine Rolle. „Alles wird vom Crash überschattet“, sagte ein Händler. In der Dax-Familie gab es auch zur Mittagszeit keine Gewinner.

Besonders schwere Verluste erlitten erneut die Aktien der Deutschen Bank. Sie sackten bei 5,61 Euro auf ein Rekordtief und büßten zuletzt rund 15 Prozent auf 5,75 Euro ein. Den Aktien der Commerzbank erging es im MDax nicht besser. Auch sie erreichten ein Rekordtief bei aktuell 3,704 Euro, was ein Minus von knapp 14 Prozent war. Die Aussicht auf noch tiefere Zinsen belastet die Bankenbranche. Zudem steigt das Risiko von Kreditausfällen, und das nicht nur wegen einer möglichen virusbedingten Rezession.

Steil abwärts ging es auch für die konjunktursensiblen Papiere der Autobranche. Der bereits schwer gebeutelte Sektor beschleunigte seine Talfahrt am Nachmittag und sackte um zehn Prozent ab. Im Dax ging es für die Anteile von Daimler um etwas mehr als 13 Prozent abwärts. VW folgt mit minus 10,3 Prozent, Continental gaben 8,1 Prozent ab und BMW knapp zehn Prozent.

Die Papiere der bereits schwer von der Virus-Epidemie betroffenen Lufthansa büßten 7,1 Prozent ein und fielen auf den tiefsten Stand seit 2016. Die Fluggesellschaft hatte am Freitag bereits mitgeteilt, dass sie wegen des heftigen Nachfrageeinbruchs infolge der Corona-Epidemie in den nächsten Wochen die Kapazität um bis zu 50 Prozent reduziert.