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Saarland auf der Industriemesse
Saar-Forschung präsentiert sich in Hannover

Hannover/Saarbrücken. Wissenschaftler aus dem Saarland zeigen auf der Industriemesse neue Projekte und Technik. Von Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Ein Schwamm so hart wie Stein, den haben Forscher der Saar-Uni entwickelt. Selbst ein Schlag mit einem Hammer mache ihm nichts aus, sagt Professor Stefan Diebels, Leiter des Lehrstuhls für Technische Mechanik an der Universität des Saarlandes. Der Trick: Das poröse Material ist mit einer Metallschicht aus Nickel oder Kupfer ummantelt. Das entstandene Material kann Diebels zufolge sogar eine nahe Explosion unbeschadet überstehen. „Wir haben hier ein Material entwickelt, das aufgrund seiner besonderen Eigenschaften – Leichtigkeit, Porigkeit und Härte – sehr vielfältig eingesetzt werden kann“, sagt er.


Gemeinsam mit Privatdozentin Anne Jung, die diese Metallschäume im Wesentlichen entwickelt hat, präsentiert er das neue Produkt auf am Forschungsstand der saarländischen Hochschulen (Halle 2, Stand B46) auf der Hannover Messe. Der Trick bei der Herstellung ist, dass die handelsüblichen Kunststoff-Schwämme elektrostatisch aufgeladen werden, um die Metall-Moleküle im Galvanisierungsbad gleichmäßig anzuziehen. Einsatzgebiete sind unter anderem die Autoindustrie, die Luft- und Raumfahrt, der Leicht-, aber auch der Fassadenbau. „Wir entdecken immer neue Felder“, sagt Diebels. Produziert werden die im Saarland entwickelten Metallschäume von der Firma Mac Panther Materials in Bremen.

An der Klimaanlage der Zukunft, die mit der gleichen Strommenge die mehrfache Heiz- und Kühlleistung heute üblicher Aggregate erbringen kann, arbeitet der Universitäts-Lehrstuhl für intelligente Material-Systeme. Wärme und Kälte werden in dem Prototypen, der auf der Hannover Messe zu sehen ist, mit hauchdünnen Drähten aus Nickel-Titan erzeugt, die mal gespannt, mal entlastet werden. Werden die Drähte wie bei einem Expander auseinander gezogen, geben sie Wärme ab, wenn sie sich zusammenziehen, nehmen sie welche auf. „Dieser Prozess lässt sich stufenlos steuern“, sagt Susanne-Marie Kirsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl. Außerdem hält sie die Nickel-Titan-Legierung noch nicht für den optimalen Werkstoff. „Da geht noch mehr.“



Wird nach dem Autoantrieb der Zukunft gefragt, ist Wasserstoff der große Favorit. Er kann in einer Brennstoffzelle verbrennen, die dabei erzeugte elektrische Energie füttert eine Batterie, die wiederum das Auto schadstofffrei antreibt, weil aus dem „Auspuff“ nur noch Wasser kommt. „Voraussetzung ist allerdings, dass der Wasserstoff frei von anderen Gasen wie zum Beispiel Methan oder Kohlenmonoxid ist, damit die Membran der Brennstoffzelle nicht beschädigt wird“, sagt Marco Schott vom Forscherteam um Professor Andreas Schütze, der an der Saar-Universität den Lehrstuhl für Messtechnik innehat. Er hat am Saarbrücker Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik (Zema) einen Hochdruckprüfstand für Wasserstoff entwickelt, der Fremdgase im Wasserstoff zuverlässig erkennt, „selbst wenn es nur wenige Moleküle sind“. Im Herbst soll das System in den Testbetrieb gehen.

Am Zema forscht auch Jan Hollwich, der wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den Ingenieurwissenschaften der Hochschule für Technik du Wirtschaft (HTW) ist. „Wir ebnen den Weg zur Industrie 4.0“, sagt er selbstbewusst. In dieser neuen Welt der industriellen Fertigung sollen Produktionsmaschinen über das Internet kommunizieren können, um beispielsweise Qualitätsprobleme frühzeitig aufzudecken. „Doch die Maschinen arbeiten häufig mit unterschiedlichen Steuerungstechniken“, sagt Hollwich. Der HTW-Wissenschaftler ist dabei, die Verständigungsprobleme der einzelnen Steuerungstechnik-Systeme mit Hilfe einer neu entwickelten Software zu beseitigen. Diese will er interessierten Produktionsbetrieben zur Verfügung stellen.