Neuer Streit bei Baron Reisen um Betriebsratswahl

Ärger wegen Kündigung : Neuer Streit bei Baron Reisen um Betriebsratswahl

Die Gewerkschaft Verdi macht der Geschäftsführung von Baron Reisen schwere Vorwürfe. Wieder geht es um eine Kündigung im Zusammenhang mit einer Betriebsratswahl. Die Gewerkschaft will nun auch die Politik ins Spiel bringen.

Die Gewerkschaft Verdi wirft Baron Reisen vor, eine Betriebsratswahl zu torpedieren. Zum wiederholten Mal habe das Busunternehmen aus Großrosseln einem Kandidaten für die Wahl fristlos gekündigt, teilte Verdi mit. „Baron-Reisen arbeitet augenscheinlich in Wild-West-Manier“, sagt Gewerkschaftssekretär Christian Umlauf. Er fordert die Geschäftsführung auf, die Kündigung zurückzunehmen und die Wahl gemeinsam mit Verdi ordnungsgemäß durchzuführen. Darüber hinaus drängt Verdi die Politik zu Konsequenzen, nämlich Baron Reisen von öffentlichen Ausschreibungen auszuschließen. Das Unternehmen, das laut Verdi rund 140 Mitarbeiter beschäftigt, wollte sich zu den Vorwürfen bislang nicht äußern, wie es auf Nachfrage hieß.

Im vergangenen Jahr hatte Baron nach Darstellung der Gewerkschaft drei Kündigungen gegen den damaligen Listenführer der Verdi-Liste zur Betriebsratswahl ausgesprochen. Die Gerichtsverfahren dagegen habe der Arbeitnehmer gewonnen. Dem Urteil zufolge müsse Baron den Mann weiter beschäftigen, doch die Geschäftsführung habe ihm Hausverbot erteilt und ihn nun zum vierten Mal gekündigt, sagt Umlauf. Auch habe Verdi die Betriebsratswahl vom Mai 2018 erfolgreich angefochten. Hintergrund waren laut Umlauf Manipulationsvorwürfe gegen das Management. Die Betriebsratswahl müsse dem Urteil zufolge wiederholt werden. „Jetzt wird auf der neuen Liste der nächste gekündigt, wieder fristlos und ohne Angaben von Gründen. Das Schauspiel beginnt von Neuem auf dem Rücken eines Beschäftigten“, sagt Umlauf und kündigt an, auch gegen die neuen Kündigungen juristisch vorzugehen.

Umlauf moniert darüber hinaus, dass der Tarifvertrag nicht eingehalten werde. Zum Beispiel ist darin geregelt, dass sogenannte geteilte Dienste der Busfahrer – mit Fahrten am Morgen und erst nach längerer Pause mit weiteren Fahrten – insgesamt höchstens 13 Stunden lang sein dürfen. Bei Baron dauerten diese Dienste weiterhin 14 Stunden und länger, sagt Umlauf. Er setzt deshalb darauf, „über die Politik wirtschaftlichen Druck auszuüben“. Die Saarbahn schreibe einen Teil ihrer Verkehrsdienstleistungen aus. Baron Reisen werde sich wohl bewerben. Doch wer so gegen die Mitbestimmung vorgeht, „darf keine öffentlichen Gelder erhalten und hat das Recht verwirkt, an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen zu dürfen“, sagt Umlauf. Die Gewerkschaft droht auch mit Protestaktionen. Welche das sein könnten, ist noch offen.

Die Linksfraktion des Landtags schließt sich der Forderung von Verdi an. „Öffentliche Gelder und öffentliche Aufträge sollten Unternehmen vorbehalten sein, die das Gemeinwohl achten und Arbeitnehmer-Rechte nicht mit Füßen treten“, sagt Jochen Flackus, der wirtschafts- und verkehrspolitische Sprecher der Fraktion.

(mzt)
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