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Amer Sports hat in Überherrn ein Lager gebaut. Kosten: 13 Millionen

Neues Lager für 13 Millionen : Aus Überherrn nach ganz Europa

Zumindest wenn es nach Sportartikel-Hersteller Amer Sports geht. Gestern wurde im Häsfeld das neue Shuttle-Lager in Betrieb genommen.

Kleine rote Transportroboter fahren surrend zwischen den stählernen Regalgängen hin und her. Plötzlich hält einer an, schnappt sich einen Karton mit T-Shirts und flitzt damit wie von Geisterhand weiter zum Förderband.

Die Transporter, die sogenannten Shuttles, sind Teil des neuen Lagers des Sportartikelherstellers Amer Sports, das gestern in Überherrn offiziell in Betrieb genommen wurde. Das Gebäude im Industriegebiet Häsfeld ist 27 Meter hoch und rund 104 Meter lang. Es bietet Platz für rund 78 000 Karton-Stellplätze.

Während der Name Amer Sports nur wenig bekannt ist, sind die Marken des Unternehmens mit Sitz in Helsinki vielen ein Begriff. Dazu gehört beispielsweise Wilson, die insbesondere in Tenniskreisen bekannt ist, Arc’teryx wiederm macht Outdoor-Kleidung und Atomic kennt jeder Wintersportfan. All diese finden in Überherrn Platz unter einem Dach.

Technisch ist das neue Lager einmalig: Das erste seiner Art in Europa, sagt Direktor Kai Bahlmann. Beton ist hier nicht zu sehen. Das Innere versteckt sich hinter einer Metallhülle. Darin reihen sich Stahlregale aneinander, die gleichzeitig das Gebäude tragen. Es ist streng genommen mehr Maschine als Gebäude. Und ein weiterer Vorteil: durch die Silobauweise ist es auch noch eine Million Euro billiger geworden, sagt Bahlmann.

Insgesamt hat die Konstruktion 13 Millionen gekostet, rund ein Jahr hat es bis zur Fertigstellung gedauert. „Das ist für Europa ein Riesending“, sagt Bahlmann. Es soll nach seinen Worten eine Visitenkarte für Automatisierung sein. 10 000 Auftragspositionen sollen die rund 90 Festangestellten damit am Tag bewältigen können. Das Lager beliefert sowohl Händler als auch Privatkunden.

Bahlmann betont, dass die neue Automatisierung durch die Shuttles, keine Arbeitsplätze kosten werde. „Kollege Maschine ist da, Kollege Maschine wird helfen“, sagt er. Zusammen mit dem Kollegen aus Fleisch und Blut soll die Technik lediglich ermöglichen, mehr Aufträge in der gleichen Zeit abzuarbeiten.

25 Container kommen täglich im Lager in Überherrn an, die meisten aus Fernost. 400 bis 1500 Kartons kann ein Container fassen. Vom Tennisball über Schuhe bis hin zum Klettergurt laufen die Waren über ein Fördersystem ins neue Lager ein. Die kleinen roten Shuttles, insgesamt 48 an der Zahl, verteilen sie in drei Gängen auf die Regale.

Auch der alte Gebäude-Komplex, für den 2002 der Grundstein gelegt wurde, bleibt in Betrieb. Über Förderbänder kommen die Waren aus dem Lager hierher. Mitarbeiter stehen dann bereit, um die Kartons zu empfangen. Ein Bildschirm zeigt an, welchen Artikel der Kunde bestellt hat. Einige Pakete gehen von hier nach ganz Europa, andere sogar bis Russland. Schon bald, sagt Standortleiter Michael Schneider, sollen alle Retouren aus ganz Europa in Überherrn abgehandelt werden.

Das Saarland als Standort zu wählen, war naheliegend, sagt Schneider, der die Entwicklung in Überherrn von Beginn an begleitet hat. Die Hauptkunden von Amer Sports waren in Deutschland und Frankreich angesiedelt. Überherrn bot und bietet die beste Anbindung.

Vergangenen Monat hat ein Unternehmerzusammenschluss aus China 95 Prozent von Amer Sports erworben und das Unternehmen von der Börse genommen. Für Amer Sports solle sich aber nichts ändern, sagt Schneider. Das hätten die Investoren versprochen.

Das Unternehmen stellt sich weiter auf Wachstum ein. Neue Marken sollen dazukommen. Die Outdoor-Marke Peak Performance, die Amer Sports im vergangenen Jahr erworben hat, kommt aktuell noch aus Dänemark. In wenigen Jahren soll Überherrn auch dafür das Europa­lager werden. Für 2020 ist der Baubeginn eines zweiten Silo-Shuttles geplant.