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„Wer gewinnen will, muss Amerika zusammenführen“

„Wer gewinnen will, muss Amerika zusammenführen“

Donald Trump bei den Republikanern und Hillary Clinton bei den Demokraten sind die klaren Sieger der Vorwahlen. Das kann eine Vorentscheidung sein, muss aber nicht, meint der Koordinator der Bundesregierung für die transatlantischen Beziehungen, Jürgen Hardt (CDU), im Gespräch mit SZ-Korrespondent Werner Kolhoff.

Heißt die Paarung im November nun Trump gegen Clinton?

Hardt: Noch immer waren bisher die Sieger des Super-Dienstags auch die Kandidaten ihrer Parteien bei den Präsidentschaftswahlen. Insofern ist das wahrscheinlich. Aber bei den diesjährigen Vorwahlen sind schon viele Vorhersagen gekippt worden. Viele waren sich zum Beispiel sicher, dass Donald Trump schnell ausscheiden und dass Jeb Bush lange im Rennen bleiben würde. Oder dass es für Hillary Clinton quasi ein Spaziergang werden würde. All das ist nicht eingetreten.

Wer könnte Trump bei den Republikanern am ehesten gefährlich werden?

Hardt: Wenn es der Führung der Republikanischen Partei gelingen würde, sich hinter einem Kandidaten zu vereinen, der mehr in die Mitte der amerikanischen Gesellschaft ausstrahlt als Trump, dann wäre das ein ernst zu nehmender Konkurrent. Marco Rubio käme dafür am ehesten in Frage.

Was sagt es über die amerikanische Gesellschaft aus, dass polarisierende Kandidaten wie Trump derzeit so viel Rückhalt haben?

Hardt: Vor allem bei den Republikanern gibt es eine tiefe Enttäuschung über ihre etablierte Führungsschicht. Sie hatten in Washington die Mehrheit in beiden Kammern und haben trotzdem keine Wende der Politik in ihrem Sinne geschafft. Im Zweifel hat sich Präsident Obama doch durchgesetzt. Das hat zu einer gewissen Frustration geführt, die jetzt zurückschlägt.

Spielt auch Angst vor den Veränderungen durch die Globalisierung eine Rolle, wie sie in Europa die vielen nationalen Bewegungen antreibt? Trump will als erstes einen Zaun an der mexikanischen Grenze bauen.

Hardt: Vernetzung, partnerschaftliche Abstimmung, Stärkung von Bündnissen, das ist die eine Antwort auf die Globalisierung. Und aus meiner Sicht die einzig richtige. Die andere heißt Abschottung. In Amerika hat Präsident Obama stark auf den multinationalen Ansatz gesetzt. Jetzt formieren sich hier wie dort die Gegenkräfte. Aber Abschottung ist die falsche Antwort auf die Globalisierung. Diese Erkenntnis ist freilich noch nicht in jeder Vieh-Auktionshalle im Mittleren Westen angekommen.

Würde Clinton gegen Trump gewinnen?

Hardt: Das ist aus heutiger Sicht schwer zu sagen. Eine demokratische Kandidatin Clinton strahlt im Gegensatz zu Sanders stärker in die Mitte aus als Trump auf der anderen Seite. Wer die amerikanischen Präsidentschaftswahlen gewinnen will, muss, genau wie das auch in Europa der Fall ist, am Ende mehr zusammenführen als polarisieren.

Muss Europa, muss die Welt Angst haben vor einem Präsidenten Donald Trump ?

Hardt: Wir kennen von seinen Plänen bisher nur das, was er im Vorwahlkampf gesagt hat. Da sind wir in Deutschland und Europa in vielen Dingen anderer Meinung. Zum Beispiel zum Iran-Nuklearabkommen. Aber derzeit hören wir nur jene Töne, die speziell der Mobilisierung der eigenen Anhänger unter den Republikanern dienen. Der außenpolitische Kurs, den ein Präsidentschaftskandidat Trump verfolgen würde, oder gar ein Präsident Trump, ist heute nicht einmal in Konturen sichtbar. Außerdem weiß man: Das Amt prägt und verändert, nicht nur die Sicht auf die Person, sondern auch die Person selbst.