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Jetzt heißt es Clinton gegen Trump

Jetzt heißt es Clinton gegen Trump

Das Establishment trägt Jackett und Krawatte, es trägt aber auch Jeans und T-Shirts und in manchen Fällen sogar Baseballkappen. Es trinkt "Bud light", dünnes Bier. Das Speisenangebot besteht im Wesentlichen aus Hamburgern und Chicken Wings, scharf gewürzten Hähnchenflügeln, auch nicht anders als in jeder x-beliebigen Kneipe in Kansas.

"Union Pub" heißt das Lokal, es liegt mitten im Washingtoner Regierungsviertel, nur drei Straßenecken entfernt vom Kapitol. Wer abends hier vorbeischaut, hat tagsüber in aller Regel im Parlamentsbetrieb gearbeitet. Überm Tresen, draußen im Biergarten, in jeder Nische, überall hängen Bildschirme, insgesamt mindestens zwei Dutzend, und über alle flimmert am Dienstagabend das gleiche Programm: die Wahlnacht bei CNN . Spätestens um 21.39 Uhr weiß das dort versammelte Establishment, dass der Mann, der am stärksten von Ressentiments gegen das Establishment profitiert, auch am Super Tuesday triumphiert. Im Mar-a-Lago, seinem exklusiven Club in Palm Beach, tritt Donald Trump mit hochzufriedenem Lächeln in einen Raum, der mit seinen Kronleuchtern und Samtvorhängen an den East Room denken lässt, den Prunksaal des Weißen Hauses. Der, das genau ist der Zweck der Regie, genau daran erinnern soll. Trump will den Eindruck vermitteln, als probe der nächste Präsident der USA schon mal fürs Amt.

Milde gestimmt stellt sich der sonst oft so gereizte Baulöwe den Fragen der Presse. Über weite Strecken wählt er einen so konzilianten Ton, als wollte er bestätigen, was manche über ihn schreiben. Dass der Polter-Trump nur schräge Show ist und der gewiefte Geschäftsmann Trump flexibel genug, um mit Blick auf das Wahlfinale die politische Mitte anzusteuern. "Ich weiß, die Leute werden es kaum glauben, aber ich bin ein Versöhner", sagt er. Wenn der Vorwahlkampf erst hinter ihm liege, werde er die Partei einen und nur noch eine Person ins Visier nehmen: Hillary Clinton , die im Übrigen nicht den blassesten Schimmer habe. Eine Weile scheint es, als habe der populistische Milliardär die Vorwahlen bereits abgehakt. Dann aber wird er nach Paul Ryan gefragt, dem Sprecher des Repräsentantenhauses, und einmal mehr ist der Grobian Trump zu erleben. Mit Ryan, antwortet er, werde er sich blendend verstehen, wenn er erst regiere. "Und wenn nicht, dann hat er einen hohen Preis dafür zu zahlen." Vorangegangen waren kritische Sätze Ryans. Jemand, der die Präsidentschaftskandidatur der Partei Abraham Lincolns anstrebe, müsse sich ohne Wenn und Aber vom Ku-Klux-Klan distanzieren, statt wie Trump verbale Spielchen zu spielen, hatte Ryan gemahnt.

Ob die Kontroverse um den rassistischen Geheimbund Trump doch noch schadet, weiß im Moment niemand seriös zu beurteilen. Jedenfalls änderte sie nichts daran, dass der einst so belächelte Seiteneinsteiger am Super Tuesday der große Sieger war. In sieben von elf Bundesstaaten, in denen bei den Republikanern abgestimmt wurde, hatte Trump die Nase vorn. Der Tea-Party-Senator Ted Cruz gewann nicht nur seinen Heimatstaat Texas, sondern auch Oklahoma sowie Alaska. Damit übertraf er die Erwartungen, während Marco Rubio , der Senator aus Florida, enttäuschte. Rubios einziger Lichtblick ist Minnesota, wo er seinen ersten Sieg einfuhr. Ansonsten: zweite Plätze, dritte Plätze, alles andere als die überzeugende Vorstellung, die er gebraucht hätte, um Cruz den Rang abzulaufen. Damit dürfte es den Strategen der "Grand Old Party" kaum gelingen, die Anti-Trump-Flügel der Republikaner um den 44-jährigen Favoriten des Establishments zu sammeln. Im Gegenteil, in der Wahlnacht ist es der erzkonservative Texaner, der Rubios Kapitulation verlangt. Er sei der Einzige, der Trump Paroli bieten könne, sagt Cruz.

Im Lager der Demokraten ist es Hillary Clinton , die - ähnlich wie Trump - den innerparteilichen Wettstreit de facto für beendet erklärt. Bei Afroamerikanern und Hispanics konnte sie so eindeutig punkten, dass sie ihren linken Kontrahenten Bernie Sanders nicht nur in den klassischen Südstaaten Alabama, Arkansas, Georgia und Tennessee, sondern auch in Texas klar in die Schranken verwies. Sanders ging überall dort als Erster durchs Ziel, wo weiße College-Kids, linke Akademiker und Wähler, die sich gegen den Status quo auflehnen, den Ton an der Basis angeben: in Colorado, Minnesota, Oklahoma und natürlich in Vermont, dem Staat, den er im Parlament vertritt. Allerdings ist kaum vorstellbar, das er noch an Clinton vorbeiziehen wird, bevor im Juni die Ziellinie in Sicht ist.

Die Favoritin jedenfalls hält eine Siegesrede, in der Sanders praktisch nicht mehr vorkommt, dafür Trump umso markanter. Bei dieser Wahl stehe so viel auf dem Spiel, wie noch nie und spricht von einem Amerika, das allen gehöre, egal wie jemand aussehe und wo er bete. "Statt eine Mauer zu bauen, werden wir Barrieren niederreißen."