Trotz Mindestlohn mehr Mini-Jobs im Saarland

Trotz Mindestlohns : Mehr Saarländer haben nebenbei einen Mini-Job

Trotz Mindestlohns haben immer mehr Menschen einen Zweitjob. Experten streiten, warum.

Die Zahl der aus Sicht der Beschäftigten steuer- und abgabenfreien Minijobs ist mittlerweile wieder fast so hoch wie vor der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns. Der Grund: Immer mehr Beschäftigte haben zu ihrem Hauptjob zusätzlich noch einen Nebenjob. Im Saarland trifft das derzeit auf 29 429 Männer und Frauen zu, im vergangenen Jahr waren es noch 28 424. In den letzten zehn Jahren betrug die Steigerung bei diesen Nebenjobs über 36 Prozent.

„Offenbar sind die Löhne im Haupterwerb für viele nicht ausreichend. Sonst würde man doch keinen Zweitjob machen“, vermutet die Grünen-Sozialexpertin Müller-Gemmeke gegenüber unserer Zeitung. Für den Wirtschaftsfachmann Enzo Weber vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist das nur ein Teil der Wahrheit. Was einen Minijob für viele Arbeitnehmer attraktiv mache, sei die Befreiung von Steuern und Sozialbeiträgen.

Seit den Hartz-Reformen gilt: Egal, wie viel man im Hauptjob verdient, der erste Minijob im Nebenerwerb bleibt von Abgaben unberührt. „Und wenn man praktisch Brutto für Netto bekommen kann, dann machen das viele gern“, so Weber zur Saarbrücker Zeitung.

Eigentlich war den Minijobs ein starker Rückgang prophezeit worden, nachdem in Deutschland zum 1. Januar 2015 der Mindestlohn eingeführt wurde. Denn aus Sicht der Arbeitgeber ist diese Form der Beschäftigung dadurch weniger rentabel geworden. So müssen sie etwa die kompletten Sozialabgaben tragen, die wegen des Mindestlohns gestiegen sind. Nun steigt die Zahl der Mini-Jobber aber bundesweit wieder (von 7 348 437 binnen eines Jahres auf 7 412 085). Im Saarland liegt sie dagegen in diesem Jahr mit 94 743 noch um 676 unter dem Vorjahr. Grund ist, dass die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten hier noch mal um 1681 sank.

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