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Hamon will Frankreichs Sozialisten einen

Hamon will Frankreichs Sozialisten einen

Nachdem die französischen Sozialisten ihren Kandidaten gekürt haben, beginnt der eigentliche Präsidentschaftswahlkampf. Der Ausgang ist allerdings offen.

"Die Wahl, bei der alles passieren kann", titelte gestern die Zeitung "Le Figaro". Nach den Vorwahlen der Sozialisten stehen die Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im April und Mai fest. Doch wer danach in den Elysée-Palast einziehen wird, darüber wollen auch die Meinungsforscher keine Voraussagen mehr treffen. Zu sehr wurde das politische Casting in den vergangenen Wochen durcheinander gewirbelt. Nach dem überraschenden Ausscheiden von Alain Juppé und Nicolas Sarkozy bei den Vorwahlen der Konservativen verzichtete François Hollande bei den Sozialisten auf eine Kandidatur. Statt des danach als Favoriten gehandelten Regierungschefs Manuel Valls hob die Regierungspartei den linken Außenseiter Benoît Hamon auf den Schild.

So wie François Fillon bei den Konservativen hatte Hamon bei den Sozialisten die "Primaires" mit einem Programm gewonnen, das klare Kante zeigte. "Heute erhebt die Linke ihr Haupt, schaut in die Zukunft und kann siegen", sagte Hamon nach seinem Erfolg. Es war seine Art, mit Präsident Hollande abzurechnen, dem er vorwarf, die Ideale der Linken für eine unternehmerfreundliche Politik verraten zu haben. Doch der Satz war auch eine Ohrfeige für alle, die genau für jenen Regierungskurs gestimmt hatten, den Valls verkörperte.

Die beiden Konkurrenten gaben sich nach Bekanntgabe des Ergebnisses einen kühlen Handschlag, doch zu einer Unterstützung für Hamon raffte der frühere Regierungschef sich nicht auf. "Ich kann sein Programm nicht verteidigen", sagte Valls bereits nach dem Fernsehduell mit Hamon, in dem er seinem Rivalen vorgeworfen hatte, unrealisierbaren Träumen nachzuhängen. Das galt insbesondere für die Forderung des Ex-Bildungsministers, ein Grundeinkommen von 750 Euro für alle einzuführen.

Mit seinem stramm linken Programm gewann Hamon die Vorwahlen zwar mit 59 Prozent, liegt für die Präsidentschaftswahlen aber aussichtslos hinten. Immerhin überholt er laut einer gestern veröffentlichten Umfrage den Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon, der mit einem ähnlichen Programm antritt, aber nicht zugunsten des Sozialisten verzichten will. Deutlich erfolgreicher als die anderen beiden Kandidaten des linken Spektrums ist der frühere Wirtschaftsminister Emmanuel Macron, der mit einem sozialliberalen Kurs die Wähler der Mitte anziehen will. Er ist inzwischen praktisch gleichauf mit dem lange als Favoriten geltenden Fillon und könnte durch enttäuschte Wähler des Reformflügels um Valls weiteren Zulauf bekommen. "Drei Monate vor der Wahl kann man von einem Abstand sprechen, der nur hauchdünn ist", sagte Emmanuel Rivière vom Meinungsforschungsinstitut Kantar Public dem "Figaro". "Im Kontext der Affäre um die Scheinbeschäftigung seiner Ehefrau im Parlament ist die Qualifikation von Fillon für die zweite Runde nicht mehr garantiert."