Erdrutschsieg für Fillon

Nach einer nervenaufreibenden Stichwahl steht fest: Ex-Regierungschef Fillon tritt für die Konservativen im Kampf ums Präsidentenamt an. Eine Kandidatur von Amtsinhaber Hollande ist jedoch mehr als fraglich.

Mit der Unterstützung der Mehrheit der Konservativen geht François Fillon als Kandidat in die Präsidentschaftswahl im Frühjahr. Der 62-Jährige gewann gestern noch deutlicher als erwartet - mit fast 68 Prozent der Stimmen gegen den Bürgermeister von Bordeaux, Alain Juppé . "Frankreich erträgt es nicht, abgehängt zu werden, Frankreich will die Wahrheit und Frankreich will Taten", sagte Fillon in seiner Siegesrede in seinem Pariser Hauptquartier. Ihm werden in Umfragen gute Chancen eingeräumt, der nächste Präsident zu werden.

Ex-Premier Fillon verkörpert dabei das katholische, ländliche Frankreich und hatte unter anderem die Unterstützung der Bewegung gegen die Homo-Ehe , die vor vier Jahren Hunderttausende mobilisiert hatte. Er sprach sich gegen eine multi-kulturelle Gesellschaft aus und forderte die Assimilierung der Einwanderer - ein Begriff, den auch Ex-Präsident Nicolas Sarkozy im Vorwahlkampf oft verwendet hatte. Allerdings trat der stets brav gescheitelte Fillon nüchtern auf und vermied populistische Parolen.

Der gemäßigte Juppé setzte sich dagegen für die Vielfalt Frankreichs ein, die dessen Reichtum sei. Der 71-Jährige, der seit 40 Jahren in der Politik ist, warb auch um die von den Sozialisten enttäuschten Wähler. Anders Fillon. Er erhielt auch Unterstützung von früheren Kadern des Front National .

Juppé, der bei der Fernsehdebatte am Donnerstag das Ruder nicht mehr herumreißen konnte, wirkte zum Schluss müde und resigniert. Medien nannten ihn den "müden General einer niedergeschlagenen Armee". Der Ex-Regierungschef hatte fast zwei Jahre lang in den Umfragen vorne gelegen und war erst auf den letzten Metern von Fillon überholt worden, der lange als "Mister Nobody" galt.

Ein Erfolg war für die konservativen Republikaner, die zusammen mit den Parteien der Mitte erstmals Vorwahlen abhielten, die Beteiligung von mehr als vier Millionen an beiden Sonntagen. Bei den Sozialisten hatten 2011 2,7 Millionen Wähler abgestimmt. Die Regierungspartei hält im Januar ihre Vorwahlen ab. Ob François Hollande erneut antreten wird, will der umstrittene Präsident bald bekanntgeben. Zwischen ihm und Premier Manuel Valls tobt derzeit ein Machtkampf. Valls macht inzwischen sogar öffentlich Druck auf Hollande, er solle nicht mehr für eine zweite Amtszeit antreten. In einem Interview mit der "Le Journal du Dimanche" schloss Valls seine eigene Bewerbung bei der Vorwahl der Sozialisten nicht mehr aus, auch wenn Hollande ebenfalls kandidieren sollte. Valls attackierte dabei auch Fillon. Der Konservative plane ein "brutales Programm" für Frankreich.

Mehr von Saarbrücker Zeitung