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Impfstoff von Johnson & Johnson ist zugelassen, die EU wartet auf Lieferungen

Warten auf weitere Vakzine : Schleppende Impfstoff-Lieferungen zehren an den Nerven

Das Vakzin von Johnson&Johnson ist ideal für Impfungen bei Hausärzten, doch auch darauf muss die Europäische Union wohl noch warten.

Über die gute Nachricht aus Amsterdam konnte sich an diesem Donnerstag in Brüssel niemand so recht freuen: Die Europäische Medizinagentur (EMA) empfahl nach wochenlanger Prüfung die Zulassung des vierten Vakzins für den europäischen Markt. Es handelt sich um den Vektorimpfstoff mit dem offiziellen Namen „Covid-19-Impfstoff Janssen“ des US-Herstellers Johnson & Johnson. Er könnte ein Durchbruch für die europäische Impfkampagne sein. Denn um den Patienten zu schützen, reicht eine Dosis. Die Ampullen können drei Monate lang bei Kühlschrank-Temperaturen aufbewahrt werden – ideal also für die Nutzung in Hausarzt-Praxen. Die Wirksamkeit wird mit 67 Prozent angegeben, allerdings erreichte das Produkt bei einer klinischen Studie in den USA bei schweren Erkrankungen auch eine Wirksamkeit von 85,9 Prozent. Doch das Vakzin hat bisher einen großen Nachteil: Auch nach der Zulassung wird die EU noch wochenlang auf die ersten der bestellten 200 Millionen Dosen (36,7 sind für Deutschland bestimmt) warten. Nach Astrazeneca ist Johnson&Johnson also der zweite Hersteller, der bis zur Vorwoche nicht verbindlich mitteilen konnte, ab wann er die ersten Chargen nach Europa ausliefert. Die Warnung, so hieß es von dem Unternehmen, sei „eine Vorsichtsmaßnahme“ und bedeute nicht, dass die Ziele in jedem Fall verfehlt würden. Experten in Brüssel sprachen von Mitte bis Ende April. Aber auch diese Angaben hängen davon ab, ob die US-Regierung mitspielt. Denn das Vakzin wird zwar unter anderem von der Johnson-Tochter Janssen im niederländischen Leiden hergestellt, aber in den Vereinigten Staaten abgefüllt. Die USA verhindern die Ausfuhr fertiger Impfstoffe aber derzeit noch immer mit einem Exportbann, den der frühere Präsident Donald Trump erlassen hat. Das soll langfristig besser werden: Offenbar gibt es Verhandlungen mit dem französischen Sanofi-Konzern, der das Vakzin von Johnson&Johnson produzieren will.

In Brüssel liegen angesichts der schleppenden Lieferungen die Nerven blank. EU-Ratspräsident Charles Michel hatte in einem Newsletter am Dienstag neben den USA auch Großbritannien vorgehalten, keine Impfstoffe zu exportieren. Daraufhin sahen sich zuerst Premier Boris Johnson und anschließend Außenminister Dominic Raab veranlasst, die Unterstellung, London habe ein Ausfuhrverbot erlassen, zurückzuweisen. Tatsächlich hat die Regierung des Vereinigten Königreiches keinen formellen Exportbann erlassen. Dennoch konterte Michel: „Wir wissen – und ich weiß es, weil ich Politiker bin – dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, ein Verbot oder Einschränkungen zu verhängen.“ Er habe die Regierung von Boris Johnson gefragt, wie viele Vakzin-Dosen sie bisher an andere Länder geliefert habe – und warte noch immer auf die Antwort. Am Donnerstag legte die EU-Kommission neue Zahlen vor: Demnach hat die Union von 249 Exportanfragen 248 genehmigt und so Ausfuhren an 31 Staaten in aller Welt möglich gemacht. Mit 9,1 Millionen Dosen gingen die meisten – nach Großbritannien. Das Fazit in Brüssel lautet: „Die EU ist der führende Lieferant von Impfstoffen in der Welt.“

Das stimmt, löst aber das Problem der Kontingentkürzungen von Astrazeneca nicht. Immerhin bemühten sich dafür andere, gute Nachrichten zu liefern: Am Mittwoch kündigten Biontech/Pfizer an, in den kommenden zwei Wochen vier Millionen Dosen zusätzlich an die EU zu liefern.