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Amerikaner laufen Sturm gegen Abtasten am Flughafen

Amerikaner laufen Sturm gegen Abtasten am Flughafen

Washington. Der Software-Entwickler John Tyler nahm ein paar Tage frei, nachdem er über Nacht zum Symbol des lautstarken Protests gegen die neuen Sicherheitsvorkehrungen auf amerikanischen Flughäfen geworden war. Tyler lehnte es ab, in San Diego durch einen der neu installierten Ganzkörper-Scanner zu gehen

Washington. Der Software-Entwickler John Tyler nahm ein paar Tage frei, nachdem er über Nacht zum Symbol des lautstarken Protests gegen die neuen Sicherheitsvorkehrungen auf amerikanischen Flughäfen geworden war. Tyler lehnte es ab, in San Diego durch einen der neu installierten Ganzkörper-Scanner zu gehen. Der Beamte der Flugsicherheitsbehörde TSA stellte ihn darauf vor die Alternative, von Kopf bis Fuß abgetastet zu werden. "Wenn Du meinen Schwanz anfasst, lasse ich Dich festnehmen", wehrte sich der 31-jährige gegen die Prozedur. Tyler hielt den Streit unbemerkt auf seinem Handy fest. Seit Tyler das Video ins Internet stellte, ist er so etwas wie eine nationale Berühmtheit. Inzwischen dürfte er von allen großen Fernsehsendern, Radiostationen und Zeitungen in den USA interviewt worden sein. Sein Widerstand gegen die neuen Kontrollen im Flugverkehr trifft einen Nerv der Amerikaner.Die Idee, von fremden Personen im Intimbereich angefasst zu werden, geht in der Heimat der Puritaner vielen entschieden zu weit. Seit die TSA Ende Oktober mit den neuen Überprüfungen begann, hagelt es Proteste. Die US Travel Association, die rund 1700 Unternehmen der Reisebranche vertritt, berichtet von mehr als 2000 Beschwerden innerhalb der ersten Tage.

Gestern musste der Leiter der Behörde John Pistole im US-Senat Rede und Antwort stehen. "Wenn Sie mich fragen, ob wir unser Verfahren ändern", entgegnet der TSA-Chef kritischen Nachfragen der Senatoren, die von ihren Wählern bestürmt werden, dann habe er nur eine Antwort: "Nein". Die Sicherheitsmaßnahmen seien notwendig, um die Reisenden vor terroristischen Anschlägen zu schützen.

Bis Ende nächsten Jahres sollen die meisten der 800 Sicherheitsschleusen auf den Flughäfen mit Nacktscannern ausgerüstet sein. Zurzeit sind knapp 400 installiert. Alle Reisenden gehen zunächst durch einen Metalldetektor. Wer in die Zweitkontrolle kommt, hat in den USA die Wahl zwischen Scannen und Abtasten. Die anonymisierten Aufnahmen werden in einem getrennten Raum ausgewertet. Die Körperkontrollen beinhalten auch das Abtasten von Brüsten und Genitalien durch gleichgeschlechtliche Beamte. sp