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Arbeiten Frankreichs Fluglotsen schlampig?

Arbeiten Frankreichs Fluglotsen schlampig?

Paris. Nach einem Enthüllungsbericht über die gefährlichen Arbeitspraktiken der Fluglotsen in Frankreich fordert der Staatssekretär für Verkehr, Dominique Bussereau, von der französischen Gesellschaft für zivile Luftfahrt Aufklärung. Die Zeitung "Le Figaro" berichtete gestern, dass die Fluglotsen oft nur die Hälfte ihrer vorgeschriebenen Dienstzeit arbeiteten - bei vollem Gehalt

Paris. Nach einem Enthüllungsbericht über die gefährlichen Arbeitspraktiken der Fluglotsen in Frankreich fordert der Staatssekretär für Verkehr, Dominique Bussereau, von der französischen Gesellschaft für zivile Luftfahrt Aufklärung. Die Zeitung "Le Figaro" berichtete gestern, dass die Fluglotsen oft nur die Hälfte ihrer vorgeschriebenen Dienstzeit arbeiteten - bei vollem Gehalt. Dadurch seien die Kontrolltürme an den Flughäfen unterbesetzt und die diensttuenden Lotsen müssten mehrere Aufgaben gleichzeitig wahrnehmen. Deshalb sei es bereits mehrmals zu Beinahe-Katastrophen über Paris gekommen, schreibt das Blatt. Eigentlich müssten die Fluglotsen pro Woche 24 Stunden arbeiten, was 160 Arbeitstagen pro Jahr entspräche, erklärt ein namentlich nicht genanntes Gewerkschaftsmitglied. Aber in Wahrheit würden sie oft nur zwölf Stunden pro Woche und 80 Tage pro Jahr arbeiten. Die Schichten seien deshalb häufig unterbesetzt.Riskante PersonalpolitikSo müssten die diensttuenden Fluglotsen die Aufgaben ihrer fehlenden Kollegen übernehmen. Sie müssten mehrere Zonen anstatt wie üblich nur eine überwachen, also beispielsweise mehrere Start- und Landebahnen sowie Einflugschneisen. Entsprechend nutzten die Lotsen die Funkfrequenzen, die normalerweise nur für eine Zone vorgesehen sind, für mehrere Zonen.Dem Debakel liegt eine Reform des Luftverkehrs im Jahr 1999 zugrunde. Immer mehr Fluglotsen wurden eingestellt - ohne dass sich der Arbeitsaufwand gleichermaßen erhöhte. Die Angestellten ohne Arbeit blieben häufig einfach weg. Mittlerweile werden freie Stellen jedoch nicht mehr besetzt, es gibt wieder genug zu tun. Doch die Lotsen setzten ihren eingespielten Arbeitsrhythmus fort, schreibt der "Figaro". Besonders schlimm soll dem Bericht zufolge die Situation am Pariser Flughafen Charles de Gaulle sein. Von den 15 Überwachungsplätzen seien regelmäßig nur acht besetzt. Dass bislang noch nichts gegen die Situation unternommen wurde, wird mit der Angst vor Streiks begründet.