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Zuzana Caputova wird als erste Frau Staatsoberhaupt der Slowakei.

Analyse : Neue Hoffnungsträgerin für Protestler in Slowakei

() Die Slowakei habe gezeigt, dass sie eine Veränderung wolle, betonte Zuzana Caputova in ihrer Siegesansprache in der Nacht auf Sonntag. Der größte Trumpf der Bürgeranwältin und Umweltaktivistin sei es gewesen, Forderungen einer Protestbewegung gegen Korruption zu ihrem wichtigsten Wahlkampfthema zu machen, sagte der Meinungsforscher Pavel Haulik der Deutschen Presse-Agentur.

Seit dem Mord am Investigativjournalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten im Februar 2018 hatten immer wieder Tausende gegen die im Land verbreitete Korruption demonstriert.

Kuciak hatte über Verbindungen von zweifelhaften Unternehmern zu Mitarbeitern der sozialdemokratisch geführten Regierung recherchiert. Seine erst nach seinem Tod veröffentlichte letzte Reportage gab den Anlass zu den Massenprotesten, in deren Folge die Regierung und der Polizeipräsident zurücktraten.

„Diese Demonstrationsbewegung hat einen großen Teil der Bevölkerung erreicht, aber keine Partei hat sie politisch abgedeckt. Caputova hat das genutzt und wurde damit von einer politisch unbekannten Kandidatin zur Favoritin dieser Wahlen“, erinnerte Haulik an Slogans der 45-Jährigen. Caputova hatte im Wahlkampf mehrmals fast wortgleich mit den Demonstranten „mehr Anständigkeit in der Politik und mehr Gerechtigkeit“ gefordert.

Mit der am 15. Juni vorgesehenen Amtsübernahme wird die Liberale die erste Frau an der Spitze des eher konservativen Landes.

Caputova gewann die Präsidentenwahl klar. Nach dem am Sonntagmittag veröffentlichten offiziellen Endergebnis erreichte sie im entscheidenden zweiten Wahlgang 58,4 Prozent der Stimmen. Ihr Gegner in der Stichwahl, der von den regierenden Sozialdemokraten nominierte EU-Kommissar Maros Sefcovic, kam auf 41,6 Prozent. Der derzeitige Präsident Andrej Kiska war nicht mehr angetreten. Ähnlich wie in Deutschland hat das slowakische Staatsoberhaupt repräsentative Aufgaben. In Regierungskrisen und bei der Ernennung von Verfassungsrichtern kommt dem Präsidenten aber eine entscheidende Rolle zu.

Dass Caputova so erfolgreich die Anliegen der Protestbewegung übernehmen konnte, liegt auch an ihrer Biografie. Erstmals politisch aktiv wurde sie vor über zehn Jahren als eine der Wortführerinnen einer Bürgerinitiative gegen eine Mülldeponie in Pezinok nordöstlich von Bratislava, wo die geschiedene Mutter mit ihren zwei Töchtern lebt. Später kämpfte sie mehr als 15 Jahre in der Anwaltsgruppe „Via iuris“ (Weg des Rechts) gegen Vetternwirtschaft und Korruption in der Justiz.

Im Dezember 2017 trat sie der neuen, pro-europäisch und liberal ausgerichteten Partei Progresivne Slovensko (Progressive Slowakei) bei und wurde deren Vizevorsitzende. Die Partei ist nicht im Parlament vertreten, konnte aber mit dem Wahlsieg Caputovas einen großen Überraschungserfolg verbuchen.

Dass Caputova zur Hoffnungsträgerin der Protestbewegung wurde, kann ihr Verhältnis zur Regierung erschweren. Ihr von der größten Regierungspartei Smer – Socialna demokracia (Richtung Sozialdemokratie) – nominierter Gegenkandidat Sefcovic gratulierte ihr zwar noch in der Wahlnacht und unterstrich die pro-europäischen Werte, die beide verbänden. Parteichef der Sozialdemokraten ist jedoch weiterhin der unter dem Druck der Demonstrationen voriges Jahr zurückgetretene Langzeit-Regierungschef Robert Fico. Er äußerte wiederholt den Verdacht, die Demos seien Teil einer „Verschwörung“ liberaler Kräfte gegen seine Regierung gewesen.

Caputova versprach der Regierung in der Wahlnacht eine korrekte Zusammenarbeit und kündigte baldige Gespräche an. Ficos Nachfolger Peter Pellegrini, der gegenüber den Demonstranten gemäßigter auftrat, betonte auch seinen Willen zur konstruktiven Zusammenarbeit.