Die Ukraine steht vor der Präsidentenwahl. Petro Poroschenko droht eine Niederlage.

Präsidentenwahl in der Ukraine : „Schokozar“ gegen „Clown“ und „Gasprinzessin“

Ein Komiker fordert in der Ukraine bei der Präsidentenwahl Amtsinhaber Petro Poroschenko heraus. Doch ist in dem Krisenland, das in die EU strebt, die Auswahl mit 39 Kandidaten so groß wie nie.

Sollten die 30 Millionen Wahlberechtigten am Sonntag keinem die absolute Mehrheit verschaffen, kommt es am Ostersonntag zu einer Stichwahl. Wer sind die wichtigsten Kandidaten?

Petro Poroschenko Der 53 Jahre alte Amtsinhaber wird nicht wegen seiner Körperfülle scherzhaft auch „Schokozar“ genannt. Er hat es vielmehr mit einem Süßwarenimperium zu einem Vermögen gebracht. Poroschenko droht eine Niederlage bei der Wahl. Aus Sicht vieler Ukrainer hat er die Erwartungen nach den prowestlichen Protesten in Kiew und dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch nicht erfüllt. Poroschenkos Wahlkampflosung „Armee, Sprache, Glaube“ zeigt auch, wo die Probleme liegen: Der Krieg im Osten des Landes ist – anders als zum Amtsantritt versprochen – nicht beendet. Auch dass er die extrem verbreitete russische Sprache samt der an Moskau orientierten Kirche massiv zurückdrängen will, bringt ihm nicht nur Zustimmung ein. Einst Mitgründer der inzwischen zerfallenen moskaufreundlichen Partei der Regionen, vertritt Poroschenko heute einen strikt antirussischen Kurs.

Wladimir Selenski Der 41 Jahre alte Schauspieler, der in der Comedy-Serie „Sluha narodu“ – auf Deutsch: „Diener des Volkes“ – schon den Präsidenten gespielt hat, ist als Neuling auch Hoffnungsträger vieler junger Ukrainer. Der politische Quereinsteiger beherrscht die Spielarten von staatstragend bis bodenständig meisterhaft. Seit der jungenhafte sportliche Mann in der Silvesternacht seine Kandidatur ankündigte, bekommt er für seine Rolle noch mehr Applaus. In Umfragen lässt der „Clown aus Krywyj Rih“, (Stadt in der Südukraine) alle anderen hinter sich. Begonnen hat der ausgebildete Jurist mit einer studentischen Humoristentruppe. Mehrere Jahre lebten sie in Moskau, traten in anderen Ex-Sowjetrepubliken auf. Anders als Poroschenko will Selenski auf Russland zugehen. Der Medienstar, der seit 2003 durch eine Samstagabendshow führt, kann sich einen russischsprachigen Fernsehkanal vorstellen. Auch er steht für einen EU-Kurs. Kritiker halten Selenski für eine Marionette des Oligarchen Igor Kolomoiski, auf dessen Fernsehsender „1+1“ seine Show läuft. Aber wofür er politisch steht und ob er auch als Präsident Regie führen kann, müsste er erst noch zeigen.

Julia Timoschenko Im dritten Anlauf will die 58-jährige Veteranin der ukrainischen Politik endlich zur ersten Präsidentin des Landes gewählt werden. In ihrer Heimatstadt Dnepropetrowsk (heute Dnipro) stieg sie über Beziehungen in den russisch-ukrainischen Gashandel ein. Ein Millionenvermögen und ihr Lebensstil brachten ihr den Spitznamen „Gasprinzessin“ ein. Zweimal war sie Regierungschefin, vor allem aber wurde sie 2014 zu dem Gesicht der prowestlichen Orangenen Revolution. Überworfen hat sich Timoschenko mit vielen in der Politik – auch mit Poroschenko, den sie im Fall eines Wahlsieges ins Gefängnis bringen will. Dort saß sie selbst schon. 2011 wurde sie in einem politisch motivierten Prozess zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Sie musste sich gegen den Vorwurf wehren, sie habe sich von Russland über den Tisch ziehen lassen und zu teure Gasverträge abgeschlossen. Im Februar 2014 kam die Politikerin nach dem Sturz ihres Widersachses Viktor Janukowitsch wieder frei. In Umfragen liefert sie sich mit dem Amtsinhaber ein Kopf-an-Kopf-Rennen.