1. Nachrichten
  2. Kultur

Bildende Kunst: Von der Lust am Augenblick

Bildende Kunst : Von der Lust am Augenblick

Das Saarländische Künstlerhaus zeigt neue Arbeiten der Luxemburgerin Carine Kraus sowie Installationen von Lisa Marie Schmitt und Videokunst von Clément Richem.

Noch immer sind zeitgenössische luxemburgische Künstler im Saarland kaum bekannt. Schon deshalb lohnt sich ein Besuch im Künstlerhaus in Saarbrücken (Karlstraße 1), das derzeit einer der wichtigsten Protagonistinnen der Kunstszene des Nachbarlandes eine Einzelausstellung widmet. Bei ihrer letzten Ausstellung im Saarland malte Carine Kraus noch abstrakt und schwelgte mit Konstruktiv-konkreter Kunst in Farbe und Form. Lange ist das her. Seit einigen Jahren malt sie figurativ und hat einen ganz eigenen Malstil gefunden.

Kraus malt realistisch, aber mit einer diffusen Weichheit, die den Bildern eine geheimnisvolle Aura verleiht. Die Sujets lösen sich in einem leichten Nebel auf, wirken oft gleichsam verwischt und suggerieren so Bewegung. Meisterhaft ist „Gianfranco 4“, das einen Tänzer in weißer Leinenkleidung zeigt, der mit ausgebreiteten Armen über eine Bühne wirbelt. Künstler stehen oft im Mittelpunkt der Gemälde. Meist sind es intime Momente, die auf den Bildern verewigt sind. Flüchtige Augenblicke, die wie eingefroren scheinen.

Grundlage für die Gemälde von Carine Kraus sind Fotografien, doch von fotografischem Realismus sind die Arbeiten weit entfernt. Gesichter sind nie erkennbar. Entweder sind sie nur angedeutet oder der Ausschnitt ist so gewählt, dass die Gesichter außerhalb des Bildraumes liegen. Oftmals drehen die Protagonisten dem Betrachter den Rücken zu. So rückt die menschliche Figur in den Fokus, wird aber ihrer Individualität beraubt. Tritt man an die Leinwand heran, erkennt man, dass die Bilder aus kaum sichtbaren Schichten von Lasuren in zarten Farbtönen aufgetragen wurden und sich nur gelegentlich an Formgrenzen verdichten. Die Farbe liegt wie Puder auf der Leinwand und die Strukturen des Gewebes bleiben sichtbar. Durch die kaum ausgearbeiteten Hintergründe entziehen sich die Bilder jedem Gefühl für Raum oder Zeit. So rücken andere Elemente in den Mittelpunkt: Bewegung, Haltung und Körpersprache erzählen kleine Geschichten. Die Lust am Augenblick ist Kraus’ Antrieb.

Im kleinen Studio des Künstlerhauses tobt sich Lisa Marie Schmitt aus. Schmitt ist Meisterschülerin bei Georg Winter an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK). Sie ist vielmehr eine Poetin als eine bildende Künstlerin. Ihre Videos und Installationen leben von Sprache und Rhythmus. In einem nüchternen Duktus spricht sie in ihren Videos Texte, die vor dem inneren Auge des Betrachters eine Szene entstehen lassen, und so die Bildsprache in Frage stellen. Irritiert muss sich der Besucher auf Bild und Ton einlassen und sich seinen Weg durch den Wortdschungel bahnen. Ganz bewusst hintertreibt Lisa Marie Schmitt damit unsere Vorstellungen von künstlerischen Gattungen. Nicht einfach und oft herausfordernd ist ihre Kunst, aber spannend.

Im „Studio blau“ zeigt das Künstlerhaus Videoarbeiten des Franzosen Clément Richem. Richem setzt sich mit den Prozessen von Leben und Vergehen, sowie Aufbau und Zerstörung auseinander. Im Zeitraffer baut der Franzose Landschaften und Städte aus Lehm, Sand und Pflanzen auf und lässt sie zugrunde gehen.

 Diese Sandburg-Oase von Clément Richem löst sich vor dem Auge des Betrachters auf.
Diese Sandburg-Oase von Clément Richem löst sich vor dem Auge des Betrachters auf. Foto: Clément Richem

Die Ausstellung im Künstlerhaus läuft bis zum 22. Oktober. Geöffnet Dienstag bis Sonntag jeweils 10 bis 18 Uhr.