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Auf die Perspektive kommt es an
Acht Künstler aus der Großregion zeigen ihre Arbeiten

Medienkunst der Großregion wird in einer Ausstellung in der Mainzer Straße 185 gezeigt. Die Kuratorin Anna Kautenburger hinter einer Maske von Gabriel Jeanjean. ⇥Foto: Maurer
Medienkunst der Großregion wird in einer Ausstellung in der Mainzer Straße 185 gezeigt. Die Kuratorin Anna Kautenburger hinter einer Maske von Gabriel Jeanjean. ⇥Foto: Maurer FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Das saarländische Filmbüro zeigt noch diese Woche eine Ausstellung über Medienkunst. Die ist mal poetisch, mal rätselhaft. Nicole Baronsky-Ottmann

Für Anna Kautenburger ist es bereits das dritte Mal, dass sie für das Saarländische Filmbüro in einer Ausstellung Medienkunst präsentiert. „Ich bin selbst Medienkünstlerin, interessiere mich sehr dafür. Ein Grund für die Ausstellung ist, die Aufmerksamkeit auf diese Kunstform zu lenken, die oft wenig in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird“, sagt sie. Anna Kautenburger machte 2011 ihr Diplom an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, war danach Meisterschülerin von Professor Georg Winter. Seit sechs Jahren arbeitet sie freischaffend, nimmt viele Optionen im In- und Ausland wahr, um sich ihrer Kunst widmen zu können. Gerade war eine Arbeit von ihr während der Landeskunstausstellung im KuBa zu sehen.



Wenn man mit ihr redet, merkt man schnell, dass sie für die Medienkunst brennt. Für die aktuelle Ausstellung hat sie viel recherchiert, bestehende Kontakte genutzt, neue, grenzüberschreitende Verbindungen aufgebaut. Und sie hat acht Medienkünstler der Großregion gefunden, deren Werke sie nun in einem Leerstand der Firma Obbo in der Saarbrücker Mainzer Straße noch bis zum nächsten Sonntag zeigt. Ihre Wahl ist dabei auf Sarah Mock, Les Soeurs h, Daniel Daniel, Hanguk Lee, Paul Schuseil, Gabriel Jeanjean, Clément Richem und Lisa Marie Schmitt gefallen. Und damit bringt sie die Werke acht ganz unterschiedlicher Medienkünstler zusammen. Und so sind die Videos mal poetisch, dann humorvoll oder auch rätselhaft.

Zwei Werke fallen bei einem Rundgang besonders heraus, denn sie bestehen nicht nur aus einer Videoprojektion. Hanguk Lee hat eine Installation aufgebaut, die allein sich schon anzuschauen lohnt. Sie besteht aus einem sich drehenden, ausgestopften Marder und einem kleinem Modellhaus, das von Kameras umgeben ist. Sie fangen dabei Live-Bilder ein, die sofort projiziert werden. Da kann der Betrachter selbst auch schon mal zu sehen sein.

Gabriel Jeanjean zeigt dagegen seine Videos nicht auf der Wand, sondern man muss in die Rückseite von drei Masken hineinschauen, um die Filme zu sehen. Die Masken aus Pappe, Wolle und Plastikflaschen allein sind schon ein Hingucker. Die Arbeit von Clément Richem aus Metz wird zwischen den beiden gezeigt. Seine Sandburgen wachsen im Zeitraffer aus einer Ebene hervor, werden geformt, dann auch wieder zerstört. Die Darstellung der Vergänglichkeit aus einem Material, das an Kindheit und Urlaub erinnert, fasziniert. Ein Raum weiter wird ein Film der beiden Schwestern „Les Soeurs h“ aus Belgien gezeigt. In surrealen Sequenzen werden drei Frauen in ihrem Umfeld gezeigt. Auch Sarah Mock aus Neustadt, Preisträgerin des Pfalzpreises für Bildende Kunst, zeigt in ihrem Video Frauen. Auch die Bilder von ihr sind surreal, transparent, überschneiden sich, gehen ineinander über. Damit erzeugt sie sehr poetische Bilder.

Paul Schuseils Arbeit ist dagegen viel rockiger. Im Aufzug des Hauses gezeigt, sieht und hört man in seinem Video Musik und Texte von ihm, die er mit Spiegelungen und Dopplungen zu rasanten Bildern zusammenfügt. Daniel Daniel präsentiert dagegen einen klassischen Kurzfilm in einer winzigen Kammer.Und Lisa Marie Schmitt, die ebenfalls an der HBK Saar ihr Diplom machte, zeigt in ihrer Arbeit einen ganz realen Kinosaal aus der Perspektive des Filmvorführers. In dem Film geschieht wenig, dafür hört man einen Text, einen Reisebericht der Künstlerin. Die Monotonie der Stimme, gepaart mit der Einfachheit des Filmes wirken geradezu hypnotisch, erzeugen aber Bilder im Kopf. Kopfkino, statt Popkorn-Kino. Das passt gut. Und es trifft auch auf die gesamte Ausstellung zu.

Info: „Medienkunst. Filmschau Großregion“. Geöffnet bis zum 9. Juli von Dienstag bis Sonntag von 16 bis 20 Uhr. Mainzer Straße 185, 66121 Saarbrücken.

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