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Colors of Pop: Tiefenentspannter Pop-Poet

Colors of Pop : Tiefenentspannter Pop-Poet

Cluesos gastierte im Rahmen von „Colors of pop“ in Saarbrücken.

Vielleicht versteht man Clueso am besten, wenn man sich seine Bewegungen anschaut: Auf den ersten Blick wirkt er sehr locker, wie er über die Bühne geht oder tänzelt, manchmal sogar ein bisschen schlenkert – bis auffällt, dass er diese Lockerheit mit einer unglaublichen Präzision ausführt. Ein bisschen zappelig, ein bisschen wild – aber dennoch genau auf den Punkt und mit nahezu perfektem Timing. So lässt sich auch beschreiben, was musikalisch am Donnerstagabend im Saarbrücker E-Werk ablief.

Die Band hat der 37-jährige Erfurter für seinen „Neuanfang“, so der Titel des letzten Albums, komplett ausgetauscht. Das war wahrscheinlich ein geschickter Schachzug, denn so klang die Begleitung mitsamt ihres Bläsersatzes frisch und spielfreudig. Bei Clueso selbst wusste man allerdings nicht so recht, ob er richtig gut in Form ist. Manchmal schien ihm ein wenig die Energie zu fehlen im Dialog mit den 3000 Zuhörern – oder täuschte der Eindruck und der Betrachter verwechselte das mit der tiefen Entspanntheit, die von dem Sänger ausging? „Einer muss ja auch für Stimmung sorgen“, sagte dieser beispielsweise zwischen zwei Titeln, so als rede er mit sich selbst. Allzu viele Bedenken musste Clueso in diesem Punkt aber nicht haben, denn das Publikum spielte bereitwillig mit in seiner abwechslungsreichen Show. Gleich zu Beginn feuerte er drei seiner bekannteren Nummern ab, „Achterbahn“, „Neuanfang“ und „Chicago“, danach holte er zur Freude aller Duettpartnerin Kat Frankie für „Wenn du liebst“ auf die Bühne. Apropos Duett: Stolz berichtete Clueso von seiner Begegnung mit Udo Lindenberg „der coolsten Socke, die da draußen rumläuft“, mit dem er dessen alten Song „Cello“ neu aufgenommen hatte. Wunderbar, die Anekdote, als beide Sänger an einer Spiegelwand vorbeilaufen, Lindenberg auf sich selbst zeigt und sagt: „Guck mal, da isser wieder!“.

Was Clueso allerdings zu erwähnen vergaß, war, dass sein Konzert eigentlich Teil des neu geschaffenen Festivals „Colors of Pop“ war. Dessen Macher Thilo Ziegler stellte zunächst klar, dass das Konzert das Festival-Budget nicht belastete. Natürlich sei es ein Stück weit vom Zufall abhängig gewesen, einen so großen Namen fürs saarländische Pop-Festival zu bekommen, sprich: Clueso war ohnehin auf Tour. Aber dass der Sänger von Saarbrücken direkt nach Bremen fuhr, wo er gestern spielte, sei laut Ziegler „kein normales Routing“ und daher keine Selbstverständlichkeit. Wollte das Festival die anspruchsvolle Seite der Popmusik zeigen, so war Clueso sicher die richtige Wahl.

Programm von „Colors of Pop“ (läuft bis 22. Oktober) unter www.colors-of-pop.de