| 19:48 Uhr

„Ich bin doch kein Magier“

Frédéric Simon, in Straßburg geschasst. Foto: Barbian
Frédéric Simon, in Straßburg geschasst. Foto: Barbian FOTO: Barbian
Straßburg. Zehn Jahre lang leitete Frédéric Simon das Forbacher Le Carreau und ging dann nach Straßburg. Seine Zeit als Theaterdirektor dort ist nach einem Jahr schon wieder vorbei – was ist passiert? Silvia Buss

Vor etwas mehr als einem Jahr erst wechselte Frédéric Simon als Theaterdirektor von Forbach nach Straßburg, an das größere Theater Maillon. Nun muss er seinen Posten dort vorzeitig zum Jahresende schon wieder räumen. Das teilte das Maillon am Dienstag überraschend mit. Obwohl man Simons künstlerische Pläne für das Theater bei der Bewerbung einstimmig begrüßt habe, seien im Laufe der Zeit "tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten" zwischen Simon und dem Verwaltungsrat des Theaters sowie den Partnern des Maillon entstanden, heißt es darin. Und da man sich in wochenlangen Gesprächen nicht habe einigen können, habe man sich nun getrennt.

Eigentlich hatte Simon einen Vertrag für drei Jahre, nun geht er mitten in der Saison, der ersten, deren Programm er selbst gestaltet hat. Was ist der Grund für den Streit? Nicht das diesjährige Programm, erklärt Simon auf Nachfrage. Vielmehr seine Pläne für die zukünftige Ausrichtung des Theaters, das 2018 in ein neues, größeres Haus mit zwei Sälen im Stadtteil Wacken umziehen soll. In dem neuen Haus wollte Simon mehr Aktivitäten, Künstlerresidenzen, Eigenproduktionen realisieren, die man auch verkaufen könne.

Das neue Maillon wollte er zu einem Ort nach Art des Pariser "Centquatre" machen: einem Ort, der mit Theater, Ausstellungen, Restaurant und anderem zu mehr Begegnung und Austausch einlade und ständig geöffnet sei. Nicht nur, wie jetzt, bloß an den zwei, drei Abenden pro Woche, an denen Theater gespielt wird. Simon sieht Theater auch als ein Instrument zur Stadtentwicklung an. Mit genau diesen Plänen habe er sich damals beworben, betont Simon. Um sie umzusetzen, brauche man ein Budget, das über das jetzige von drei Millionen Euro hinausgehe. Simon ging offenbar davon aus, dass die Stadt als Hauptgeldgeber dies von Anfang an hätte erkennen müssen. Simon: "Ich bin doch kein Magier."

Doch weder wolle Straßburg das Budget erhöhen noch andere Quellen erschließen, etwa durch die Qualifizierung des Maillon zur staatlich stärker geförderten "Scéne nationale", wie auch das Forbacher Carreau eine sei. Sein Fazit: Straßburg wolle gar nicht, dass das Maillon "wachse" und werde das neue Haus mit zusätzlichen bestehenden Einrichtungen füllen. Da Simon der Vertragsauflösung zustimmte, sitzt er ab Januar - ohne Abfindung - buchstäblich auf der Straße. Er wollte keinen gerichtlichen Streit, sagt er. Aber er wäre gern noch bis zum Saisonende geblieben. So wird er nun bis Ende Dezember nur noch das Programm für die nächste Spielzeit fertigstellen. Der Verwaltungsrat war für die SZ bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Doch die neue Stellenausschreibung ist laut Pressemitteilung schon auf dem Weg.