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Kleinkunst unter freiem Himmel

Forbach. Überall durch die rue Bataille in Forbach streifen Leute. In der Recyclerie und den Lagern von Emmaüs gibt's Theater, Puppenspiel und Clownerie

Forbach. Überall durch die rue Bataille in Forbach streifen Leute. In der Recyclerie und den Lagern von Emmaüs gibt's Theater, Puppenspiel und Clownerie. Am Wochenende hatte ein neues Festival Premiere, "Bataille de rue"(Straßenschlacht) nennt es sich, initiiert vom kleinkunstbegeisterten Leiter des Le Carreau, Frédéric Simon, zusammen mit dem Integrationsprojekt Emmaüs, das Arbeits- und Wohnungslosen Hilfe zur Selbsthilfe gibt. Sieben Gruppen zeigten ihre Künste. Große und Kleine lachen über "Western" vom Théatre du Vide-Poches, ein bezaubernd bizarres Mini-Wild-West-Dramolett zwischen alten Plüschsesseln und Zinkwannen. Andernorts in der Straße beschwören die Clowns von "Capharnaüm" unvorsichtig Geister. Gegen Abend kommen immer mehr Menschen in die rue Bataille, viele strömen zu "Compléments d'objets" der Compagnie la Bande passante, deren merkwürdige Installationen und Apparaturen Olivenkernen, Schränken oder Kloschüssel-Scherben Erinnerungen ablauschen. Zum Schluss noch eine Premiere: das Marionetten-Theater "Ma Famille" der Compagnie Le Septentrion unter der Regie von und mit Frédéric Simon. Vor einer Pappkartonkulisse spielen sich die Geschicke einer Familie ab, in der es nichts Ungewöhnliches ist, die eigenen Kinder zu verkaufen. Leider gehen nicht alle gleich gut weg. Der kleine Junge erzählt, dass ihn einfach niemand haben will, andere werden auf Bäumen vergessen. Die Familie als Geschäftsbeziehung? Das Stück von Carlos Liscano ist frech, komisch, kritisch und läßt doch ständig aufflackern, was Familien eben ausmacht: Der Familienkleister aus Genen, Geschichten und Gefühlen. Dafür gab es viel Applaus. Einen guten Start hat das neue Festival hingelegt. rr