| 20:49 Uhr

Konzert
Dominic Miller in Saarlouis – Stings bessere Hälfte

Liebt Bach, aber spielt ihn nicht:
Gitarrist Dominic Miller.
Liebt Bach, aber spielt ihn nicht: Gitarrist Dominic Miller. FOTO: Steven Haberland
Saarlouis. Von Sebastian Dingler Von Sebastian Dingler

Sting besteht eigentlich zur Hälfte aus Dominic Miller: Die markanten Gitarrenriffs von „Shape of my heart“, „Fields of Gold“ oder „Fragile“ stammen aus Millers Feder; auch für den Instrumentalteil in Phil Collins’ Hit „Another day in Paradise“ ist er verantwortlich. Der 57-jährige ist ein Meister der Akkordfolge und der Melodien – Stings Aufgabe war dann meist, einfach noch etwas Eingängiges drüber zu singen. Man kann das sogar mit Bachs bekanntem C-Dur-Präludium vergleichen, einem Stück, das nur aus gebrochenen Akkorden besteht und aus dem Charles Gounod mit einer darüber gesetzten Melodie den Klassik-Hit „Ave Maria“ schuf.



Miller war am Montagabend im nahezu ausverkauften Saarlouiser Theater am Ring zu Gast; Sting fehlte da manchmal schon als i-Tüpfelchen, auch in Sachen Komfort für Miller: Denn das Gute an den Tourneen mit Sting sei, dass sich dort jemand um seine Gitarren kümmere – das müsse er hier selber erledigen. Trotzdem erlebten die 600 Zuhörer einen fantastischen Abend, getragen von Millers wunderbarem Gitarrenspiel und seinem einzigartigen Gespür für kompositorische Abläufe. Der belgische Bassist Nicolas Fiszman legte das Fundament für die Gitarren-Kaskaden oder zeigte sich als virtuoser Solist; Schlagzeuger Miles Bould war ebenfalls zu loben, ebenso der glasklare Sound, den der heimische Techniker Martin Ehlert ins Theater zauberte – mit dem kleinen Abstrich, dass im ersten Set die Snaredrum zu laut tönte. Laut Ehlert lag das in der Natur des Instrumentes; ein kurzer Hinweis in der Pause an Bould genügte, schon wurde es im zweiten Teil perfekt.

Sting-Hits gab es zu hören, dazu Millers Solo-Stücke, die von Prog­rock über ruhige Balladen bis zum Knüppel-Funk reichten. Hommagen gab es an die Beatles mit einer Adaption von „A day in the life“ und an den brasilianischen Gitarristen Baden Powell. Nur an Bach habe er sich nicht getraut, sagte Miller verschmitzt in einer Pause: Der sei zwar der Beste der Besten –  aber einfach zu schwer zu spielen.