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Athen lenkt wieder einmal ein

Brüssel. Ohne Kontrollen der Geldgeber keine Hilfe für Griechenland. Auf dieser Position beharren die Euro-Partner weiterhin, soviel der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras auch auf seine Amtskollegen einreden mag. Detlef Drewes

Gegen drei Uhr morgens versprühte die Bundeskanzlerin in Brüssel zwar keine Zuversicht. Aber Angela Merkel (CDU ) war gestern nach dem dreistündigen Gespräch mit ihrem griechischen Amtskollegen Alexis Tsipras in kleiner Runde doch zu einem kleinen Vertrauensvorschuss bereit: "Wir werden das einfach mal beim Wort nehmen und sagen, wir vertrauen darauf, dass das nun auch so kommt. Und dann werden wir sehen, wie es kommt."

Kurz darauf nahm das Athener Finanzministerium gestern den Rauswurf der Kontrolleure vom Mittwoch wieder zurück und teilte mit, man werde die Experten von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds doch zulassen und "sofort und konstruktiv" mit ihnen zusammenarbeiten. Sogar Finanzminister Gianis Varoufakis gab sich einsichtig: vom 20. Februar ist eine exzellente Gelegenheit, nach vorne zu kommen. Setzen wir sie sofort in die Tat um."

Regierungschef Tsipras hatte offenbar durchgegriffen. "Wir sind optimistischer nach den Beratungen", sagte er gestern Morgen. "Alle Seiten haben versucht, das Beste zu tun und die Probleme der griechischen Wirtschaft zu lösen." Das klang gut, bedeutete aber nichts anderes, als "alles zurück auf Anfang". Griechenland steht wieder da, wo es bereits mit der Einigung der Euro-Finanzminister am 20. Februar stand. Tsipras war damals wie in dieser Nacht gegen eine Front der EU-Vertreter gelaufen. Die Zeit seither ist verloren.

Binnen einer, möglicherweise zwei Wochen soll nun eine, wie Merkel sagte, "vollständige Liste" der geplanten Reformen in Brüssel eingehen. Unmittelbar danach wird die Euro-Gruppe die Vorschläge prüfen und möglichst billigen. "Je schneller diese Informationen bekannt sind, desto schneller kann die Eurogruppe eine Entscheidung treffen", betonte Frankreichs Staatspräsident François Hollande . Im günstigsten Fall dürfte Athen dann schon Anfang April knapp vier Milliarden Euro an frischem Geld bekommen. Die Staatspleite wäre abgewendet.

Hollande: "Wir wollen, dass Griechenland Mitglied des Euro-Raums bleibt." Ob das gelingt, ist aber fraglich. Kommissionsexperten beziffern den Finanzbedarf der Hellenen für das laufende Jahr auf rund 20 Milliarden Euro . Nach der Auszahlung der letzten Rate des zweiten Hilfspaketes kann Athen aber nicht mehr auf Brüssel hoffen. Es sei denn, dort würde man ein drittes Mal in die Tasche greifen. Aus Berliner Regierungskreisen heißt es dazu, Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU ) verspüre nur "eine geringe Bereitschaft, sich erst beschimpfen zu lassen und dann noch einmal zu helfen".

Hinzu kommt, dass durch die Euro-Gruppe nach diesem Gipfel ein Riss geht. Vor allem kleine Länder sind verärgert über das Management von Ratspräsident Donald Tusk , der zur Griechenland-Runde lediglich Merkel und Hollande sowie weitere Vertreter von EU-Institutionen geladen hatte. Luxemburgs Premier Xavier Bettel umschrieb das noch freundlich: "Ich wäre gerne dabei gewesen." Der belgische Regierungschef Charles Michel wurde ungewohnt deutlich: "Ich habe mich sehr geärgert. Hollande und Merkel haben kein Mandat, für die Euro-Familie zu sprechen." Er wolle mitreden, schließlich sei sein Land in Griechenland mit gut sieben Milliarden Euro dabei.