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Finanzmärkte
Der „Ronaldo der Eurogruppe“ wird ihr neuer Kapitän

Mario Centeno wird neuer Eurogruppen-Chef.
Mario Centeno wird neuer Eurogruppen-Chef. FOTO: dpa / Stephanie Lecocq
Brüssel. Der portugiesische Finanzminister Mario Centeno leitet künftig eines der weltweit wichtigsten Finanzgremien. Ein erster Machtkampf steht schon bevor.

Der portugiesische Finanzminister Mario Centeno leitet künftig die Eurogruppe. Er setzte sich gestern gegen seine Mitbewerber aus Luxemburg, Lettland und der Slowakei durch, wie in Brüssel bekannt wurde. Centeno führt künftig das Gremium der Ressortchefs aus den 19 Euroländern.


Die Eurogruppe gehört seit dem Management der Euro-Schuldenkrise in den vergangenen Jahren zu einer der weltweit wichtigsten Finanzgremien. Die Minister entscheiden unter anderem über milliardenschwere Hilfsprogramme und teils harsche Reformauflagen für Krisenländer sowie die Ausrichtung von Europas Wirtschafts- und Finanzpolitik. Der Eurogruppenchef hat dabei eine herausgehobene Bedeutung, weil er zugleich Vorsitzender des Gouverneursrates des Euro-Rettungsschirms ESM ist. Dieser vergibt milliardenschwere Kredite an kriselnde Euro-Staaten. Hilfsanträge von Staaten in Finanznöten müssen an den Eurogruppen-Vorsitzenden geschickt werden.

Dass Mário Centeno zum Chef der Währungsunion gewählt wurde, hat nicht zuletzt mit einem Ritterschlag des früheren deutschen Kassenwarts Wolfgang Schäuble zu tun. „Ronaldo der Eurogruppe“ nannte ihn der heutige Bundestagspräsident einmal – und spielte damit keineswegs nur auf Centenos Liebe zum Fußball an. Der portugiesische Sozialist gilt als eingefleischter Anhänger des Star-Ensembles von Benfica Lissabon. Tatsächlich hat der 50-jährige aus Vila Real de Santo António einige Erfolge vorzuweisen. Portugal, lange Jahre von Geldern der Euro-Familie abhängig, setzte Sparmaßnahmen durch – dank Centeno. Er war es, der den Etat seines Landes sanierte und in der Griechenland-Krise stets auf dem deutschen Kurs lag.



Nun steht der promovierte Wirtschaftswissenschaftler, der mit seiner Studienfreundin verheiratet ist, auf den internationalen Finanzmärkten für den Elite-Club der 19 Euro-Mitgliedstaaten – nebenberuflich übrigens. Hauptamtlich leitet er auch künftig die finanzpolitischen Geschicke Portugals. Centeno übernimmt den Vorsitz in einer überaus heißen Phase. Viel Zeit zum Einfinden hat er nicht. Denn bereits morgen steht Krach ins Haus. An diesem Mittwoch will Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ein umfassendes Papier zum Ausbau der Währungsunion vorstellen.

Das allein kommt schon einem Eklat gleich. Der Auftrag der Staats- und Regierungschefs lautete, einen Vorschlag zusammen mit den Finanzministern auszuarbeiten. Dazu kam es nicht. Juncker prescht nun vor – und bricht damit einmal mehr in die Hoheit der Kassenwarte ein. Diese seit 1998 hinter verschlossenen Türen tagende Runde ist eigentlich so etwas wie die Chefetage der Euro-Familie. Aber Juncker denkt offen daran, den Europäischen Rettungsfonds ESM von einer eher gesichtslosen Einrichtung zu einer Filiale der Kommission zu machen – und damit dem Zugriff der Finanzminister zu entziehen.

Dabei geht es ums Geld, vor allem jene 700 Milliarden Euro, die die Mitgliedstaaten für Krisenfälle hinterlegt haben. Eine andere Idee lautet, aus dem ESM einen Europäischen Währungsfonds zu machen, um sich aus den Klauen des in Washington angesiedelten IWF zu befreien. Centeno muss also schnell zeigen, dass die Kassenchefs der Währungsunion eine Entmachtung nicht hinnehmen werden.