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Coronavirus: Der Traum von der Fernreise bleibt 2020 wohl unerfüllt

Berlin : Der Traum von der Fernreise bleibt 2020 wohl unerfüllt

Während Berlin und Brüssel über Entschädigungen streiten, sinnieren bundespolitische Stimmen über eine Rückkehr der Reisezeit. Zumindest in Deutschland.

Auswege aus der Corona-Reise-Krise beschäftigen zurzeit nicht nur die Tourismus-Branche, sondern auch die Politik, auf verschiedenen Ebenen. Offener Streit ist zwischen der Bundesregierung und der EU-Kommission um eine verpflichtende Gutscheinlösung bei abgesagten Corona-Reisen ausgebrochen. Berlin will sie, Brüssel lehnt sie mit Verweis auf EU-Recht ab. Danach hätten Verbraucher die Wahl, ob sie einen Gutschein akzeptierten oder eine Erstattung bevorzugten. Das Verbraucherschutzministerium in Berlin reagierte am Sonntag schmallippig. Und der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), mahnte Tempo an. Der wirtschaftliche Druck werde täglich größer. Andere EU-Länder hätten den Gutschein bereits gesetzlich eingeführt.

Bareiß war es auch, der am Wochenende vage auf ein Ende der Reise-Verbote verwies. Zumindest Sommerurlaub in Deutschland hält er für möglich. „Große Fernreisen werden in diesem Jahr eher ausfallen. Es steht für viele Heimaturlaub auf dem Programm. Ich gehe davon aus, dass das möglich sein wird, hoffentlich auch schon im Sommer.“ Dazu brauche es aber klare Regeln. „Sicherheitsabstände, regelmäßige Desinfektion oder auch Tests für Personal und Mitarbeiter sind sicher vorstellbar.“

Außenminister Heiko Maas (SPD) warnte in der Bild am Sonntag vor einem „europäischen Wettlauf darum, wer touristische Reisen zuerst wieder zulässt“. Das führe zu unvertretbaren Risiken. Europa brauche gemeinsame Kriterien für einen Weg zurück zur Reisefreiheit – „so schnell wie möglich, aber so verantwortlich wie nötig“. „Was ein Infektionscluster in einem beliebten Urlaubsgebiet in den Heimatländern der Touristen anrichten kann, haben wir bereits erlebt. Das darf sich nicht wiederholen.“ Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) riet indes dazu, in Deutschland Sommerurlaub auf dem Land zu machen, wo ausreichende Abstandsregeln gut herzustellen seien.

Bareiß sagte weiter: „Für Restaurants, Freizeitparks oder Busreisen hoffe ich sehr, dass wir Schritt für Schritt die Einschränkungen lockern können.“ Und zur weltweiten Reisewarnung des Auswärtigen Amts, die vorerst bis zum 3. Mai gilt, meinte der Beauftragte: „Das ist ohne Frage eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, bei der unterschiedliche Aspekte abgewogen werden müssen.“ Ende April soll entschieden werden, wie es mit der Reisewarnung weitergeht.

„Aus Sicht der Wirtschaft und des Tourismus würde ich es begrüßen, wenn in laufenden Abständen die Lage neu bewertet wird und gegebenenfalls Anpassungen und vielleicht auch vorsichtige Lockerungen vorgenommen werden“ sagte Bareiß. „Wir brauchen transparente Meilensteine und keine unbefristete Reisewarnung. Wie gesagt, wir fahren auf Sicht und Gesundheit und Sicherheit haben immer oberste Priorität.“