1. Leben
  2. Motor

Den Defender abgekupfert

Automobil : Die Wiedergeburt des Defender

Britischer Hersteller Ineos übernimmt womöglich das Smart-Werk in Hambach.

(gj) „The Grenadier“ heißt ein Pub in der Wilton Row Nr. 18 des Londoner Stadtteils Belgravia. Hier ist der Legende nach die Schnapsidee entstanden, den Anfang 2016 eingestellten Land Rover Defender in seiner ursprünglichen Form weiter zu bauen. Weil die Firma Jaguar-Land Rover abwinkte, nahm Sir Jim Arthur Ratcliffe die Sache selbst in die Hand. Der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Mann war mit dem Aufbau des Chemiekonzern Ineos zu Geld gekommen und ist heutzutage einer der reichsten Männer Großbritanniens.

Mit namhafter technischer Hilfe – etwa des Allradspezialisten Magna Steyr in Graz – wurde ein Auto auf die Räder gestellt, gegen das Jaguar-Land Rover sofort gerichtlich wegen Plagiats vorgehen würde, wenn es aus China käme: Die Designer haben nichts anderes getan, als den alten Defender abzukupfern (der moderne Nachfolger kam dieses Jahr auf den Markt). Die Frage ist, ob eine vor viereinhalb Jahren eingestellte Karosserieform noch Urheberschutz genießt.

Die Motoren liefert BMW zu, das Automatikgetriebe kommt von ZF. Von einer jährlichen Stückzahl von 15 000 an aufwärts will man in die Gewinnzone kommen. Ursprünglich war die Endmontage in Wales geplant. Nachdem Daimler aber sein Smart-Werk im lothringischen Hambach dicht machen will, heißt es, dass es womöglich der für seine günstigen Einkäufe bekannte Ineos-Chef übernehmen wolle – samt eingearbeiteter Belegschaft.

Das geländegängige Ineos-Nutztier, das nicht vor Ende nächsten Jahres auf den Markt kommt, heißt nach dem Londoner Pub Grenadier. Vielleicht hat man mit dieser Namensgebung auch die weltweite militärische Kundschaft im Auge.