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Plug-in-Hybrid-Antrieb statt Diesel

Fahrbericht : Strom statt Selbstzünder

Erstmals hält die Plug-in-Hybrid-Technologie Einzug unter die Jeep-Haube: Die beiden kleinsten Modelle Renegade und Compass fahren bis zu 50 Kilometer elektrisch. Dafür fällt der Diesel aus dem Angebot.

Einen Boom ignoriert kein Wirtschaftsunternehmen freiwillig. Im Fall des Plug-in-Hybrid-Antriebs kommt die zum Fiat-Chryrsler-Konzern gehörende Marke Jeep gerade noch rechtzeitig mit der durch Steuervorteile begünstigten Technologie auf den Markt. Die Entscheidung für die Einführung der Elektrifizierung hat beim italienisch-amerikanischen Unternehmen weitreichende Folgen. Sie bedeutet nicht weniger als den Abschied vom herkömmlichen Allradantrieb – und hierzulande auch vom Dieselmotor.

Die beiden im süditalienischen Werk Melfi gefertigten vergleichsweise kompakten Jeep-Modelle Renegade und Compass machen den Anfang. Fortan tragen die Varianten mit Vierradantrieb statt 4x4 den Zusatz 4xe im Namen: viermal e. E wie elektrisch. Ein 1,3-Liter-Benzinmotor mit wahlweise 130 PS/96 kW oder 180 PS/132 kW treibt die Vorderachse an, während ein 60 PS/44 kW starker Elektromotor über ein Untersetzungsgetriebe mit integriertem Differenzial für den Vortrieb an der Hinterachse zuständig ist. Die Systemleistung der beiden Energiequellen liegt bei zusammen 190 PS/140 kW beziehungsweise 240 PS/177 kW.

Eine zweite, deutlich kleinere E-Maschine ist vorne mit dem Verbrennungsmotor gekoppelt und dient bei Bedarf als Generator zur Stromerzeugung. Gespeichert wird die elektrische Energie in einem Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 11,4 Kilowattstunden. Sein Einbauort – der Kardantunnel unter der Rückbank – verrät, dass diese Konstruktionsweise auch eines bedeutet: Dass Jeep auf eine mechanische Verbindung zwischen den beiden Achsen verzichtet.

Man könnte also sagen, Jeep hat den Hybrid-Gedanken überaus konsequent umgesetzt. Der vordere Wagenteil entspricht einem herkömmlichen Benziner mit Frontantrieb, das Heck erfüllt die Eigenschaften eines Elektroautos. Die Ladezeit liegt an einer Wallbox oder Säule mit Ladeleistungen bis zu drei Kilowatt bei dreieinhalb Stunden.

Auf ersten Testfahrten stellten Renegade und Compass unter Beweis, dass die zwei Antriebsphilosophien in vielen Fahrsituationen bestens miteinander harmonieren können. Lediglich beim behutsamen Abbremsen am Kreisverkehr spürten wir mehr als ein Mal ein kurzes Ruckeln im Antriebsstrang – vermutlich jeweils in dem Moment, in dem das System von der Verzögerung durch Rekuperation auf den tatsächlichen Einsatz der Bremsanlage umstellt.

Der Elektromotor in Renegade und Compass kann das Auto ganz allein auf Tempo 130 bringen. Aufgrund der überschaubaren Leistungsdaten der elektrifizierten Hinterachse vollzieht sich der angenehm leise Beschleunigungsvorgang eher gemächlich.

Jedem 4xe-Fahrer steht allerdings per Knopfdruck frei, wie der Antrieb organisiert wird. Jeep hat sich drei Einstellungsmöglichkeiten ausgedacht: Im Hybrid-Modus wechseln sich Benzin- und Elektromotor ab oder agieren gemeinsam, im Electric-Programm bleibt der Verbrennungsmotor so lange ausgeschaltet, bis der Akku leer ist oder der Gasfuß einen Kickdown vollführt, und im E-Save-Betrieb wird der Verbrennungsmotor derart bevorzugt, dass der Ladezustand des Akkus für späteres rein elektrisches Fahren entweder gehalten oder der Stromspeicher sogar mittels Generator nachgeladen wird.

Als Spezialität des traditionsreichen Geländewagenherstellers galten seit jeher die herausragenden Wühl-, Kletter- und Zugfähigkeiten. Daran soll sich, wenn es nach den Wünschen der Marketingabteilung geht, auch mit der elektrischen Vierrad-Technologie namens 4xe möglichst wenig ändern. Der Verzicht auf eine Kardanwelle und mechanische Kupplungen klingt auf dem Papier zunächst verlockend. Beide Achsen lassen sich dank der Hybrid-Bauweise unabhängig voneinander mit Drehmoment versorgen – also ganz nach Bedarf der jeweiligen Situation im Gelände.

Die E-Maschine kann die Hinterräder bei der Fahrt über Stock und Stein schneller ansteuern und das Drehmoment sehr flexibel dosieren. Tatsächlich kraxeln die unter Strom gesetzten Renegade und Compass überraschend mühelos über einen an einem steilen Waldstück angelegten Test-Parcours. Die Einstellung „4WD Lock“ schaltet den Vierradantrieb bis zu einer Geschwindigkeit von 15 km/h permanent ein, der elektronisch geregelte Kriechmodus „4WD Low“ hält das Sechsstufen-Automatikgetriebe immer im niedrig übersetzten ersten Gang.

Etwas ernüchternd lesen sich die Werte der zulässigen Anhängelast: Während beim frontgetriebenen Compass (150 PS/110 kW) bis zu 1750 Kilogramm an den Haken dürfen, sind es bei der 4xe-Version (240 PS/177 kW) lediglich 1250 Kilogramm. Beim Renegade sieht das ganz ähnlich aus.

Für den Allradantrieb beim Hybrid-Renegade sorgt ein 60 PS starker Elektromotor an der Hinterachse. Foto: Jeep/Alberto Giorgio Alquati, Jeep
Rein elektrisch kommt der Jeep Compass rund 50 Kilometer weit. Im Elektrobetrieb ist Tempo 130  möglich. Foto: Jeep/Alberto Giorgio Alquati, Jeep
Über drei Schalter auf der unteren Konsole kann der Fahrer wählen, ob der Compass im Hybrid-Modus, rein elektrisch oder im Benzinbetrieb fährt. Foto: Jeep

Eine kleine Jonglier-Vorstellung präsentiert Jeep beim Thema Preisgestaltung. Die 4xe-Varianten werden lediglich für die höheren Ausstattungen Limited, S und Trailhawk angeboten. Der Renegade 4xe mit 190 PS steht damit ab 37 237 Euro in der Liste, der gleichstarke Compass 4xe wird ab 41 136 Euro gehandelt. Die derzeit übliche Kaufprämie für Autos mit Plug-in-Hybrid-Antrieb in Höhe von 6750 Euro lässt einen den gehörigen Aufpreis gegenüber den bisher angebotenen 180-PS-Benziner oder 170-PS-Diesel allerdings vergessen.