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Störfaktor Smartphone

Zwischendurch immer mal wieder ein kurzer Blick aufs Smartphone: Die private Handynutzung am Arbeitsplatz senkt die Leistung, das ist jetzt wissenschaftlich erwiesen.
Zwischendurch immer mal wieder ein kurzer Blick aufs Smartphone: Die private Handynutzung am Arbeitsplatz senkt die Leistung, das ist jetzt wissenschaftlich erwiesen. FOTO: Fotolia
Saarbrücken. Ein schneller Blick auf Facebook, eine kurze Whatsapp-Nachricht – wer das Smartphone immer zur Hand hat, kann im Job leicht abgelenkt werden. Wie sich die Nutzung privater Handys auf die Produktivität am Arbeitsplatz auswirkt, hat jetzt erstmals eine wissenschaftliche Untersuchung gezeigt. Redaktionsmitglied Isabel Sand

Laut einer Bonner Studie, die mithilfe einer App die Handy-Nutzung von 60 000 Personen ausgewertet hat, aktiviert ein Durchschnittsnutzer alle 18 Minuten und 53 Mal am Tag sein Smartphone. Das Mobiltelefon unterbricht also ständig unseren Alltag, egal ob privat oder beruflich. Da liegt die Vermutung nahe, dass das Smartphone uns auch von der Arbeit ablenken könnte.



Diesem Thema widmete sich Professor Mario Mechtel von der Leuphana-Universität Lüneburg gemeinsam mit der Professorin Vanessa Mertins von der Universität Vechta und Adrian Chadi von der Uni Trier. Die drei Forscher haben die erste wissenschaftliche Untersuchung vorgelegt, wie sich die Nutzung privater Handys auf die Produktivität am Arbeitsplatz auswirkt.

Die Idee zu der Studie stammt aus dem Vorlesungssaal. "Auch bei uns im Hörsaal kommt es häufiger vor, dass recht viele Studierende dem Smartphone mehr Aufmerksamkeit als der Vorlesung schenken", sagt Ökonom Adrian Chadi. Da sich die Wissenschaftler in ihrer Forschung mit Fragen des Personalwesens und Aspekten wie Arbeitsleistung beschäftigen, stellten sie sich die Frage, ob der Einfluss des Smartphones am Arbeitsplatz die Produktivität beeinträchtigen könnte. "Auch viele Arbeitgeber setzen sich mit dieser Frage auseinander", so Chadi.

Diese schreckten aber oftmals vor einem Handyverbot zurück, da es als Zeichen des Misstrauens verstanden werden und sich damit auch negativ auf die Arbeitsleistung auswirken könnte.

Arbeitnehmer sollten es mit der privaten Handy-nutzung am Arbeitsplatz allerdings nicht übertreiben. "Auch wenn der Arbeitgeber die Nutzung elektronischer Medien zu privaten Zwecken nicht ausdrücklich untersagt, darf der Arbeitnehmer von diesen Möglichkeiten nur eingeschränkt Gebrauch machen", so ein Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Privates Telefonieren, Surfen oder Mailen während der Arbeitszeit darf laut BDA die Arbeitsleistung nicht beeinträchtigen. Die übermäßige Nutzung stelle einen Verstoß gegen den Arbeitsvertrag dar, der sogar zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses führen könne.



Um zu untersuchen, wie sich ein Smartphone-Verbot am Arbeitsplatz auf die Leistung der Mitarbeiter auswirkt, werteten die Wissenschaftler die Produktivität von Studierenden aus, die im Rahmen einer anderen Studie an der Universität Trier Telefoninterviews durchführten. Für die repräsentative Telefonbefragung der deutschen Bevölkerung zum Thema Arbeitsrecht in der EU wurden mehr als hundert Studierende eingestellt.

In einem Büro stellten die Forscher ein Smartphone-Verbotsschild auf, in dem anderen nicht. Nach getaner Arbeit haben sich die Wissenschaftler angeschaut, wie viele Telefonnummern von jeder einzelnen Person angewählt wurden. Das galt als Maßstab für die Arbeitsleistung. Heraus kam, dass die Telefonisten mit Handy-Verbot weitaus mehr Nummern angewählt hatten, als die, die ihr Smartphone nutzen durften. "Das Smartphone-Verbot war also aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein Erfolg", erklärt Chadi das Ergebnis der Studie.

Um herauszufinden, ob sich das Verbot negativ auf die Arbeitsleistung auswirkt, variierten die Forscher ihre Schilder. Eine Variante besagte, dass die Geschäftsleitung den Telefonisten vertraue und dass das Verbot daher nicht als Misstrauenssignal zu verstehen sei. In der zweiten Version wurde diese Klarstellung weggelassen. Laut Chadi konnte kein Unterschied beobachtet werden: Bei beiden Varianten stieg die Arbeitsleistung signifikant im Vergleich zu der Gruppe ohne Verbotsschild.

In einer Befragung der Telefonisten kam heraus, dass nur die wenigsten das Verbot als Misstrauenssignal verstanden hatten. Die Mehrzahl gab sogar zu, dass das Smartphone bei der Arbeit ablenken könne.