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Straßengewalt in Saarbrücken

Von Woche zu Woche. Liebe Leserinnen, liebe Leser,

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Schüsse, Schlägereien und eine explodierende Handgranate auf Straßen und Plätzen in Dudweiler, der Saarbrücker Innenstadt oder Alt-Saarbrücken: Die Eskalation des Konfliktes zwischen zwei bundesweit rivalisierenden Gruppen mit rockerähnlichen Strukturen im Saarland überrascht ebenso wie die offensichtlich extrem hohe Gewaltbereitschaft auf beiden Seiten. Dass es nicht noch schlimmer kam, scheint dem entschlossenen Vorgehen der Polizei und ihrer Spezialeinsatzkräfte zu verdanken zu sein.

Da der "Bahoz" viele kurdische Mitglieder hat und sich antifaschistisch gibt und die stark türkisch geprägten "Osmanen Germania" als nationalistisch gelten, drängt sich der Verdacht politisch motivierter Konflikte und Straftaten auf. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass der "Bahoz" Ordner bei kurdischen Demonstrationen stellt und die Osmanen enge Kontakte zur türkischen Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan haben sollen. Wird also ein innertürkischer Konflikt im Saarland ausgetragen? Vieles spricht zumindest dafür, dass die aktuelle Situation in der Türkei die Konflikte anheizt, auch wenn viele Mitglieder der beiden Gangs von Experten als politisch unbedarft eingeschätzt werden. Neben Geschäften mit Drogen und szeneüblichen Revierkämpfen scheint auch Gewalt als Selbstzweck eine Rolle zu spielen.



Die Vorgänge im Saarland untermauern, wie wichtig eine angemessene personelle und materielle Ausstattung der Polizei ist. Eine Stärkung hilft nicht nur hier mehr als ein diskutierter Einsatz der durch Auslandseinsätze bereits stark geforderten Bundeswehr im Inneren.

In diesem Sinne ein schönes Wochenende
Peter Stefan Herbst
Chefredakteur