Welt-Anti-Doping-Agentur fühlt sich gerüstet

Peking. Im Wettlauf mit den Sportbetrügern liegen die Fahnder nach Ansicht der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) gut im Rennen. "Die Betrüger haben eine gute Chance, ertappt zu werden", sagte Wada-Präsident John Fahey (Foto: dpa) gestern, einen Tag vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking

Peking. Im Wettlauf mit den Sportbetrügern liegen die Fahnder nach Ansicht der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) gut im Rennen. "Die Betrüger haben eine gute Chance, ertappt zu werden", sagte Wada-Präsident John Fahey (Foto: dpa) gestern, einen Tag vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking. "Der weltweite Kampf gegen Doping hat in den vergangenen vier Jahren einen großen Sprung nach vorn gemacht." IOC-Präsident Jacques Rogge bekräftigte, dass er "30 bis 40 Doping-Fälle" in Peking erwarte. Schließlich sei die Zahl der Kontrollen im Vergleich zu 2004 um 25 Prozent auf 4500 Tests erhöht worden. "Wenn es weniger Fälle werden, wäre ich froh, weil wir dann einen abschreckenden Effekt erzielt hätten", meinte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Potenzielle Betrüger, die den Doping-Analytikern in Peking entkommen können, müssen noch jahrelang fürchten, nachträglich disqualifiziert zu werden. Das IOC lässt alle genommenen Urin- und Blutproben für acht Jahre einfrieren. "Wenn es später neue Untersuchungsmethoden geben sollte und etwas entdeckt wird, können wir die Medaillen auch rückwirkend wegnehmen", drohte Rogge, der eindeutig bekannte: "Ich hasse Doping."

Dagegen sorgte unmittelbar vor dem Olympia-Start eine im Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlichte Studie zur "Doping-Wissenschaft" für Aufsehen und Zweifel an der Korrektheit von Kontrollen. Sie basierten auf fehlerhaften Methoden und Statistiken, kritisierte US-Forscher Donald Berry. "Die Doping-Wissenschaft ist teilweise auf wissenschaftlichem Steinzeitniveau, aber wir haben nichts Besseres", entgegnete der deutsche Doping-Experte Fritz Sörgel, "deshalb muss man die Leute auf der wissenschaftlichen Basis von heute sperren".

Mutmaßungen, das Doping-Analyselabor in Peking wäre nicht mit den modernsten Gerätschaften ausgestattet, wies Wada-Chef Fahey zurück: "Die Ausstattung ist hypermodern." Auch die Methoden, modifizierte verbotene Mittel zu entdecken, seien verbessert worden. Offen ließ er jedoch, ob neben dem erstmals eingefügten Test auf Wachstumshormon-Missbrauch auch nach der verbotenen Insulin-Einnahme gefahndet wird.

Zum Doping-Skandal um sieben russische Leichtathletinnen äußerte sich Fahey zurückhaltend. "Es ist ein laufendes Verfahren und ein Gebot der Fairness, dazu keinen Kommentar abzugeben", lehnte er eine Stellungnahme ab. Die Russinnen werden vom Leichtathletik-Weltverband IAAF wegen des mutmaßlichen Betrugs bei Doping-Tests beschuldigt und wurden suspendiert. Der Vorsitzende der Medizinischen Kommission des IOC, Arne Ljugqvist, hatte dagegen kein Blatt vor den Mund genommen und von "systematischem Doping" gesprochen.

In den Wochen vor den Spielen waren zudem mehr als 40 positive Doping-Tests aus aller Welt gemeldet worden, in die Olympia-Anwärter verstrickt waren. Dazu zählten Gewichtheber aus Griechenland und Bulgarien (je 11), die US-Schwimmerin Jessica Hardy, der Fechter Andrea Baldini und Straßenrad-Weltmeisterin Marta Bastianelli (beide Italien). Der dänische Mountainbiker Peter Riis Andersen, die rumänischen Mittelstreckenläuferinnen Liliana Popescu, Elena Antoci und Cristina Vasiloiu wurden bei Trainingskontrollen erwischt. Bei 650 Doping-Tests in den vergangenen zwei Wochen im Olympischen Dorf und in den Trainingslagern hat es dagegen keinen positiven Befund gegebendpa