| 20:29 Uhr

Theater
Von chaotischen Bauern und feinen Adeligen

Viel Witz und Humor gab es beim jüngsten Theaterstück des Vereins Nahequelle Selbach, bei dem die Akteure mit viel Herzblut agierten.
Viel Witz und Humor gab es beim jüngsten Theaterstück des Vereins Nahequelle Selbach, bei dem die Akteure mit viel Herzblut agierten. FOTO: Erich Brücker
Selbach. Der Theaterverein Nahequelle hat drei Mal das Lustspiel „Adel, Tadel und Verdruss“ aufgeführt. Alle Vorstellungen waren ausverkauft. Von Erich Brücker

Mit ihren drei Theateraufführungen „Adel, Tadel und Verdruss“, einem Lustspiel in drei Akten von Bernd Gombold, hatten die Schauspieler vom Theaterverein Nahequelle den Nagel auf den Kopf getroffen. Alle Vorstellungen waren restlos ausverkauft. „Es hat richtig Spaß gemacht, zu spielen“, bedankte sich Regisseurin Margit Jung beim Publikum, das den Akteuren viel Applaus in Anerkennung der guten schauspielerischen Leistungen zukommen ließ. Sie selbst gestand viel Lampenfieber ein, wohl mehr als ihre Darsteller. Diesen machte Jung ebenfalls Komplimente für ihr gelungenes Theaterspiel. Die Darsteller glänzten zuweilen mit viel deftigem Humor. Und auch die Bühnenbildbauer vollbrachten mit ihrem Werk ein wahres Meisterstück.


Zum Inhalt: Einzig und allein vernünftig agiert Bäuerin Sonja (Miriam Trappen). Sie steht selbstbewusst mit beiden Beinen auf dem Boden, sagt wo es langgeht. Auch ihrem Ehemann Michael, gespielt von Dietmar Stegmaier, der erstmals in eine Theaterrolle geschlüpft war. Beide werden von erheblichen Geldsorgen geplagt. Er ist arbeitslos, und der Hof mit seiner Landwirtschaft wirft keine Gewinne mehr ab. Verdruss bereitet ihnen zudem Nachbar Fridolin (Gerd Becking), der von seinem Bruder Michael viel Unterstützung erfährt. Fridolin ist arbeitsscheu und faul, es fehlt ihm auch an guten Manieren, was er mit einem guten Schluck aus der Blumenvase eindrucksvoll untermauert. Entsprechend sieht auch sein Hof aus, heruntergekommen und voller Gerümpel. Zudem verschmäht er sämtliche Liebesbriefe und Liebesbekundungen der schwerhörigen und etwas naiven Postbotin Lisa (Julia Jung), was aber nur dazu führt, dass diese ihn noch mehr bewundert. Rosa, die ältere Schwester von Fridolin und Michael, sehr dominant und derb, bemüht sich erfolglos, ihren Bruder Fridolin mit einem beherzten Einsatz des Teppichklopfers zur Ordnung zu bewegen. Immerhin hat sie drei Ehemänner verloren, zwei mittels Pilzsuppe, der dritte fiel die Treppe runter, weil er keine Pilzsuppe mochte.

Sonja versucht mit der Vermietung von Opa Pauls Wohnung (Heinz-Jürgen Brandt) an das betuchte und adelige Muttersöhnchen Dietrich, Freiherr von Dietrichshausen (Guido Becking), an Geld zu kommen. Dieser soll auf dem Bauernhof zu einem echten Kerl geschnitzt werden. Die Postbotin erzählt Bauer Michael, dass der neue Mieter ein heißblütiger Freier sei. Opa Paul, schlagfertig und ein gewieftes Schlitzohr, setzt zusammen mit seinem eifersüchtigen Sohn Michael dem jungen Adelsspross ziemlich zu, weil er in einer unbekümmerten Art Sonja den Hof macht. Der Poet glänzt mit seinen vorgetragenen Gedichten, weckt mit guter Mimik bei Sonja mütterliche Gefühle. Seine hochnäsige Mutter, Brunhilde, Freifrau von Dietrichshausen, von Opa Paul zunächst für eine junge Bekannte früherer Jahre gehalten, wird ebenfalls kräftig zurückgeschraubt auf den Boden bäuerlicher und tierischer Naturalien.

So bot denn das Stück ein ordentliches Chaos auf den Bauernhöfen, das die Theaterspieler mit viel Herzblut auf die Bühne brachten. Doch wie allseits üblich, lösten sich gegen Ende des Stücks fast alle Unstimmigkeiten in Wohlgefallen auf. Die Postbotin verliebte sich in das Muttersöhnchen, das zu einem echten Kerl gereift war. Die gedemütigte Freifrau war dem Opa Paul schließlich wohlgesinnt, der Hof von Sonja und Michael wurde finanziell saniert, nicht zuletzt aufgrund einer unverhofften Erbschaft, die Opa Pauls Bekannte allen zukommen ließ. Nur der faule Fridolin konnte nicht letztlich gezähmt werden. Sein Hof blieb eine Rumpelkammer.