Cusanustag: Damit das Auto nicht gegen die Wand fährt

Cusanustag : Damit das Auto nicht gegen die Wand fährt

Professor Michael Backes, Gründungsdirektor des Helmholtz-Zentrums für IT-Sicherheit, war Gastredner beim Cusanus-Tag am Cusanus-Gymnasium.

Ist das jetzt Zufall oder hat sich der Professor in mein Smartphone eingehackt? Äußerst selten nur stürzt das Betriebssystem meines Kommunikationsgeräts ab oder hängt sich auf, wie es umgangssprachlich heißt. Doch beim Verlassen der Schulaula des St. Wendeler Cusanus-Gymnasiums, geschieht genau das. Sämtliche Programme, die sogenannten Apps, sind vom Display verschwunden. Nichts geht mehr. Das kann vorkommen, sollte es aber nicht. Ein Neustart des Geräts behebt die Probleme – so weit zu sehen ist. Die Worte von Michael Backes, Gastredner beim neunten Cusanus-Tag, bekommen dadurch jedoch noch einmal einen anderen Nachhall.

Backes ist Professor an der Universität des Saarlandes. Sein Lehrstuhl beschäftigt sich mit IT-Sicherheit und Kryptographie. Um was genau es dabei geht, erläuterte Backes in seiner Rede anlässlich des Cusanus-Tages vor Lehrern, Schülern und deren Eltern. Auch Abstürze von Betriebssystemen, deren Ursachen und wie man sie verhindern kann, sind Teil des breiten Feldes, das Backes beackert – künftig mit bis zu 800 Wissenschaftlern und Forschern in Saarbrücken. Und da sind wir wieder beim Computer beziehungsweise dem Smartphone, das sich „aufgehängt“ hat. „Kennen Sie das?“, fragt er seine Zuhörer, „da sind Sie munter an Ihrem Rechner am Surfen und plötzlich hängt das Ding.“ Es folgt der Absturz. Was tun? „Sie booten das Ding wieder hoch, akzeptieren das und machen weiter bis zum nächsten Absturz.“ So weit – so gut. Aber: „Jetzt stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem selbstfahrenden Auto mit ihrer Familie und einmal die Woche fährt das Auto an die Wand.“

Ursache für einen Crash müsse nicht immer ein Systemfehler sein. Auch ein Angriff durch Hacker sei bei autonomen Systemen wie dem selbststeuernden Auto zumindest nicht auszuschließen – IT-Sicherheit hin, IT-Sicherheit her. Backes und andere Informatiker bauen zwar sozusagen Zäune um Programme und Betriebssysteme, doch Hacker überspringen diese früher oder später. Es ist ein ewiger Wettlauf – und somit ein zukunftsträchtiger Beruf, warb Backes am Cusanus um Nachwuchs für seinen Lehrstuhl beziehungsweise für das Helmholtz-Zentrum als späteren Arbeitgeber.

Zuvor hatte Backes seine gespannt lauschenden Zuhörer mit auf eine Zeitreise in die Anfänge des vom Internet bestimmten Computerzeitalters genommen. Ausgangspunkt war das Jahr 1990, „die selige Zeit“, wie der Sicherheitsexperte sie nennt. „Damals konnte nichts schiefgehen, denn es war noch nichts vernetzt.“

Fünf Jahre später sah die Computerwelt zwar schon anders aus. Dennoch sei Datenschutz kein Problem gewesen und die Nutzer vertrauten noch ihren Geräten. Doch seither sei das Internet von einer „globalen Plattform zu einem globalen Phänomen“ gewachsen, das täglich von Milliarden Menschen genutzt werde.

„Hat hier jeder ein Smartphone“, will der IT-Experte von seinen Zuhören wissen. Breite Zustimmung. „Und haben alle Vertrauen in ihr Gerät?“ Kollektives Verneinen. Wir haben also kein Vertrauen in unsere Geräte, sind aber dennoch bereits mittendrin in der nächsten digitalen Revolution – Stichwort: Internet der Dinge. Es beschreibt eine Zukunft, in der alles mit allem und jedem vernetzt ist. Und ja, eine Zukunft in der autonome Fahrsysteme Menschen sicher durch die Welt kutschieren.

Oft heiße es ja, Deutschland hänge bei der Entwicklung autonomer Fahrsysteme hinterher. Doch für Professor Backes ist beim selbstfahrenden Auto nicht entscheidend, wer das erste Modell auf den Markt bringt. Entscheidend sei, dass man sich ihm unbesorgt anvertrauen könne, dass es eben nicht wöchentlich gegen eine Hauswand rauscht. Und das traue er den deutschen Herstellern zu.

Jonas Piro ist in diesem Jahr Träger des Cusanus-Preises. Im Hintergrund: Schulleiter Martin Wagner. Foto: B&K/Bonenberger/

Auf dem Campus der Saar-Uni fiel kürzlich der Startschuss für das neue Helmholtz-Zentrum für IT-Sicherheit. Bis zum Jahr 2026 soll es fertig ausgebaut sein. Es soll das weltweit größte Forschungszentrum für IT-Sicherheit werden. Geplant ist laut Gründungsdirektor Michael Backes, dass im Endausbau rund 800 Wissenschaftler aus aller Herren Länder in Saarbrücken für mehr Sicherheit in der digitalen Welt forschen.

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