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„Von Eppelborn in die ganze Welt“

 Lecker! Susanne Juchem, Stephan Toscani, Andrea Juchem und Daniel Janczak (v.l.) . Foto: Ministerium
Lecker! Susanne Juchem, Stephan Toscani, Andrea Juchem und Daniel Janczak (v.l.) . Foto: Ministerium FOTO: Ministerium
Eppelborn. Die Firma Juchem in Eppelborn gilt als Musterbeispiel für die deutsch-französische Zusammenarbeit. Davon überzeugte sich gestern der saarländische Europa- und Finanzminister Stephan Toscani (CDU) im Rahmen seiner Sommertour. Jennifer Back

Früher war das Familienunternehmen Juchem in Eppelborn noch für seine Schaumküsse bekannt, heute verarbeitet es vor allem Getreide und Fette. Eine von vielen Veränderungen, von denen die Juchem-Gruppe, zu der fünf Firmen mit rund 250 Mitarbeitern gehören, geprägt ist. "Sie haben es geschafft, über Generationen in neue Produktbereiche vorzustoßen und dafür andere zu verlassen. Auf einem hart umkämpften Markt wie dem Lebensmittelmarkt, ist diese Leistung beeindruckend", fasste Europaminister Stephan Toscani nach der gestrigen Betriebsbesichtigung während seiner Sommertour zusammen.

Im weißen Kittel und mit Schutzhäubchen auf dem Kopf hatte er zuvor zusammen mit dem Geschäftsführungs-Team um Franz Josef Juchem, der die deutsch-französische Handelskammer mitbegründet hat, den 22 Meter hohen Sprühturm besichtigt. Dort verschafften ihm die Mitarbeiter Marco Wolff und Michael Gratz einen Überblick über die Herstellung koscheren Fettpulvers für den Lebensmittelhandel. Seit drei Jahren produziert das Unternehmen diese Art von Fetten und hat dafür die bereits bestehende Technologie der Fettkristallisierung weiterentwickelt - und die neue Anlage gebaut. Wolff erklärte, dass eine solche Anlage, die flüssiges Fett über kalte statt heiße Luft in kleinste Partikel pulverisiert, im Saarland einzigartig sei.

Es sind nicht nur Fette, die die Juchem-Gruppe herstellt. Auch Backmischungen für Bäckereien und die Industrie und Endverbraucher bietet das Unternehmen an. Hergestellt werden sie im firmeneigenen Backstudio, das nach dem Besuch von "Juchems Naschwerk" für Backzubehör auf dem Plan stand. Dort haben Konditormeisterin Petra Trenz und Bäckermeister Christian Bund gerade Brote für einen italienischen Kunden testgebacken. "Jedes Land hat seinen eigenen Geschmack, den wir berücksichtigen müssen", erklärte Andrea Juchem, die zusammen mit ihrem Vater, ihrer Schwester Susanne und Daniel Janczak die Geschäfte führt: "Die Italiener mögen es beispielsweise süßer als wir." Die Kunden geben auch Rückmeldung, wenn etwas geschmacklich nicht passt. "Die kommen dann auch mal zu uns und wir lösen das Problem gemeinsam", erklärte Bund. Erst kürzlich seien Kunden aus Russland da gewesen, schilderte Trenz. "Von Eppelborn in die ganze Welt", kommentierte der Minister.

Das von Franz Josef Juchems Vater gegründete Unternehmen vertreibt seine Produkte nach Frankreich über die von ihm selbst im Jahr 1958 gegründete Firma Elca in Lothringen. "Der französische Markt ist für uns attraktiver als der deutsche, weil dort die Konkurrenz nicht so groß ist", sagte der gebürtige Franzose Daniel Janczak. In Deutschland sei vor allem ein Problem, dass die Getreideernte saarländischer Bauern in Biogasanlagen statt in die Lebensmittelverwertung fließe. "Das Getreide müssen wir aus 800 Kilometer Entfernung aus dem Osten mit dem Lkw importieren", sagte Franz-Josef Juchem.

"Die gute deutsch-französische Zusammenarbeit ist nur mit einem französischen Geschäftsführer möglich, weil die Mentalitäten so verschieden sind", erklärte Andrea Juchem. Toscani lobte diese Zusammenarbeit, die ganz im Sinne der saarländischen Regierung sei.