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„Die Fangemeinde und der Verleger wollen das Lokale“

Krimiautor Klaus Brabänder bei seiner Lesung. Foto: Jörg Martin
Krimiautor Klaus Brabänder bei seiner Lesung. Foto: Jörg Martin FOTO: Jörg Martin
Bexbach. Dank des überschaubaren Besucherkreises und der familiären Atmosphäre im St. Ingberter Lokal Soho war der Abend mit Klaus Brabänder nicht nur eine Lesung. Die Gäste nutzten die Chance, mit dem Autor über viele Themen rund ums Schreiben zu plaudern. jma

. "Das Wort Lokalkolorit hat eine neue Bedeutung", meinte Klaus Brabänder. Zur Lesung des Bexbacher Krimiautors in der St. Ingberter Gaststätte Soho waren nur wenige Leute erschienen. Der Schriftsteller nahm es locker, bat die Gäste persönlich herein und betonte das untypische, familiäre Flair. Die Zeilen, die Brabänder zu Gehör brachte, kamen allein durch die Wohnzimmeratmosphäre ganz anders rüber, als man dies von Lesungen kennt. "Buchautor zum Anfassen" könnte man auch sagen. Brabänder las aus seinen drei bisherigen Werken vor, die alle in der Edition Schaumberg erschienen sind. Dessen Verleger , Thomas Störmer, hat den Werken des 1955 Geborenen gleich einen eigenen Namen verpasst: Schwarze Reihe.



Doch in den Brabänderschen Krimis sind weder die Handlungen noch der Humor schwarz. Was keinesfalls bedeutet, dass die Werke des ursprünglich aus Neunkirchen stammenden Mannes keinen Humor hätten. Oder, dass es keine Opfer oder Leichen geben würde. Auf keinen Fall. Meist verwendet er eine lockere und zeitgemäße Sprache. Mancher würde heutzutage gar "cool" dazu sagen.

Die Besucher hingen gespannt an den Lippen des Mannes, der aus "Sumpf", "Steinbruch" und "Für Eich" vorlas. Bei so viel Nähe zu den Lesern sind diese auch schnell mit in Interaktion. Wie etwa bei den Passagen aus "Für Eich". Übrigens auch ein doppeldeutiger Titel. Da rief eine Frau: "Einspruch, Italiener und 1,80 groß?", wunderte sie sich und schmunzelte. Brabänder grinste: "Norditaliener", rief er wie aus der Pistole geschossen. Die wären bekanntlicherweise eher größer. "Das ist das Schönste an so kleinen Kreisen", freute er sich. Der weibliche Krimifan zog an anderer Stelle auch Parallelen zu einer im Werk beschriebenen Hundehalterin und glaubte sofort, jemand zu kennen, der das hätte sein können.

Klaus Brabänder plauderte etwas aus dem Nähkästchen. So müsse man als Texter aufpassen, dass man sich bei der Recherche im Vorfeld nicht verzettelt. Gleichzeitig rief nach Erscheinen des Buches aber auch ein Leser an, der den Busfahrplan von Spiesen-Elversberg exakt kennt. Er wies auf anderslautende Abfahrtszeiten einer besonderen Linie hin.

Vergangenen Freitag um 17 Uhr wurde das Manuskript seines ganz frischen Werkes fertig, das nun ins Lektorat geht. "Mitgift" lautet der Arbeitstitel. Das sei auch dieses Mal wieder zweideutig, meinte Brabänder. Eigentlich sei, wie beim vorletzten Werk, wieder ein Krimi ohne lokalen Bezug an der Reihe gewesen. Doch daraus wurde nichts. "Die Fangemeinde und der Verleger wollen das Lokale", sagt er bei der Lesung respektvoll zu den Besuchern. Der Autor wechselt nämlich immer ab. Obgleich es Leute gibt, die auch bei "Steinbruch" zu wissen glauben, wo die Handlung im Saarland spielt.