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Wie die "Lütjens" Amerika zu Tränen rührte

Wie die "Lütjens" Amerika zu Tränen rührte

Saarbrücken. Dass sich Besatzungen von Kriegsschiffen befreundeter Nationen auf See grüßen, ist eigentlich nichts Besonderes. Doch diese Begegnung des deutschen Zerstörers Lütjens, des damaligen Patenschiffs des Saarlandes, und der USS Winston S. Churchill sollte um die Welt gehen. Es war am 15

Saarbrücken. Dass sich Besatzungen von Kriegsschiffen befreundeter Nationen auf See grüßen, ist eigentlich nichts Besonderes. Doch diese Begegnung des deutschen Zerstörers Lütjens, des damaligen Patenschiffs des Saarlandes, und der USS Winston S. Churchill sollte um die Welt gehen. Es war am 15. September 2001, vier Tage nach den Terroranschlägen in den USA, als die Lütjens die Winston Churchill im Ärmelkanal traf. Wenige Tage zuvor war die Welt noch in Ordnung und beide Besatzungen feierten zusammen ein Grillfest mit viel Bier und vielen Steaks. Nun lag das World Trade Center in Trümmern, und die USA trauerten um fast 3000 Tote. Da entschloss sich der Kommandant der Lütjens zu einem besonderen Akt der Solidarität auf See: "Eine Vorbeifahrt mit an Oberdeck angetretener Besatzung schien uns am besten geeignet", erinnert sich Fregattenkapitän Michael Meding. Gleichzeitig setzte man eine US-Flagge auf Halbmast und hisste ein hastig beschriftetes Bettlaken, auf dem stand: "We stand by you" (Wir halten zu euch). Mit Tränen in den Augen salutierten viele der deutschen Soldaten.Die damalige US-Offizierin Megan Hallinan berichtete davon in einem Brief an ihren Vater: "Sie blieben ein paar Minuten längsseits, und als wir zurückgrüßten, konnte keiner bei uns auf der Brücke seine Tränen zurückhalten. Es war vielleicht das Bewegendste, das ich in meinem Leben gesehen habe, und die meisten bei uns hatten Mühe, ihre Haltung zu bewahren." Diese Zeilen und ein Foto des Zusammentreffens sandte sie ihrem Vater, der die Botschaft in den USA verbreitete.

Vier Monate später lud die US-Regierung Meding ein, der Regierungserklärung von US-Präsident George W. Bush im Capitol beizuwohnen. Bush lobte die Geste der Lütjens vor aller Welt als besonderen Akt der Solidarität. Amerika war gerührt. jöw

Lesen Sie im Internet unter www.saarbruecker-zeitung.de/11-september die Originaltexte von Kapitän Michael Meding und US-Offizierin Megan Hallinan.