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Einige Politiker werden in Corona-Krise zu Prügelknaben

Prügelknaben der Krise : Einige Politiker stecken besonders tief im Corona-Strudel

Einige Politiker werden in Corona-Krise zu Prügelknaben. Auch vor der Kanzlerin machen die Kritiker nicht Halt.

Selbst Innenminister Horst Seehofer, derzeit in Corona-Quarantäne, prescht jetzt voran. Angesichts der Zahlen forderte der CSU-Mann im Spiegel einen Lockdown, „der sofort erfolgen sollte“. Welches konkrete Datum mit „sofort“ verbunden ist, darüber werden die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin an diesem Wochenende bei ihrem nächsten Corona-Krisengipfel debattieren. Die Infektions- und vor allem die Todeszahlen im Zusammenhang mit Corona steigen und steigen, viele Krankhäuser sind überlastet, eine Trendwende ist nicht in Sicht. Schon jetzt haben einige Länder schärfere Maßnahmen erlassen und angekündigt, nach Weihnachten in den Lockdown bis zum 10. Januar gehen zu wollen. Doch die Stimmen für einen früheren sowie längeren Stillstand des Landes mehren sich, vielleicht sogar schon ab Montag. Nicht jeder hat freilich zuletzt im Pandemie-Kampf ein glückliches Händchen bewiesen.

Angela Merkel: Das Flehen der Kanzlerin am Mittwoch im Bundestag, Kontakte einzuschränken und daheim zu bleiben, beeindruckte nicht nur. Es stand auch für die Ohnmacht und das Scheitern Merkels, frühzeitig eine härtere Gangart bei den Ländern durchzusetzen. Doch lockerlassen will sie nicht. Im Bundestag war zu spüren, wie persönlich sie die Lage mitnimmt. Insider berichten, Merkel leide unter fehlenden privaten Kontakten.

Jens Spahn: Der Gesundheitsminister ist zu Beginn der Pandemie noch als Krisenmanager gefeiert worden. Vorsorglich hatte er damals schon gesagt, man solle bei der Bewältigung der Pandemie Fehler verzeihen. Darauf muss er nun selbst hoffen: So versprach Spahn im September, angesichts des neuen Corona-Wissens brauche man den Einzelhandel künftig nicht mehr schließen. Genau das soll nun aber erfolgen. Was den Impfstart angeht, so ist der CDU-Mann zuletzt weitgehend vage geblieben. Darüber hinaus fehlt es offenkundig an FFP2-Masken und Schnelltests für Pflegeheime und Krankenhäuser. 

Michael Kretschmer: Sachsens CDU-Ministerpräsident ist derzeit Corona-Prügelknabe Nummer eins. Aus gutem Grund: In keinem anderen Bundesland sind die Inzidenz-Werte so hoch wie im Freistaat – am Freitag waren es 313 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen, mit Abstand der höchste Wert aller Bundesländer. Kretschmer wird vorgeworfen, zu locker mit der Pandemie umgegangen zu sein; nun kommt in Sachsen der Shutdown.

Michael Müller: Der Regierende Bürgermeister von Berlin ist im Moment Prügelknabe Nummer zwei. In der Hauptstadt bekommt der SPD-Mann die Infektionslage nicht in den Griff, es gibt nur unzureichend Kontrollen. „Wie viele Tote sind uns ein Shopping-Erlebnis wert?“, fragte er am Donnerstag provokant im Berliner Abgeordnetenhaus. Müller kündigte dann einen harten Lockdown an, ohne einen Termin zu nennen. Müller ist zurzeit Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz. Für einheitliche Linien unter den Ländern zu sorgen, ist ihm nicht gelungen. 

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) Foto: dpa/Christophe Gateau

Peter Altmaier: Der CDU-Wirtschaftsminister bekam in dieser Woche im Bundestag ordentlich auf den Deckel. Der Grund: Die groß angekündigten „Novemberhilfen“ für Firmen im Teil-Lockdown werden nur schleppend ausgezahlt, obwohl Altmaier zusammen mit Finanzminister Olaf Scholz (SPD) Tempo versprochen hat. „Für viele Betriebe wird es langsam eng“, hieß es im Parlament.