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„Sie liebte das Leben“

Marlene Schmidt
Marlene Schmidt FOTO: privat
St. Wendel. Marlene Schmidt Dieter Gräbner

Marlene Schmidt, Jahrgang 1938, geborene Bach, ist die Tochter von Jakob Bach, einem Schuhmacher, der später als Bergmann arbeitete, und seiner Frau Margarete. Die kleine Marlene, ihr Zwillingsbruder Elmar und vier weitere Geschwister wuchsen in Wemmetsweiler auf. Die älteste Tochter ist Elfriede, Jahrgang 1930, der zweitälteste Nachkomme ist ihr Zwillingsbruder Elmar. 1936 wurde Lieselotte, genannt "Lotte", geboren. Und Nachzüglerin Elli kam 1944 auf die Welt.

Eine Großfamilie in schwierigen Zeiten. Es war Krieg. 1944 wurden Marlene und ihr Zwillingsbruder Elmar eingeschult. Die Familie erlebte die Bombenangriffe und die Nachkriegsjahre. Tochter Elli, ihr Ehemann Wolfgang Recktenwald und ich sitzen in St. Wedel zusammen und reden "über eine Frau, die vielseitig begabt und interessiert war", die, wie Schwester Elli erzählt, "allein ihren Weg ging und bei allen beliebt war. Die Kinder gingen in die Schule. Und Mutter Margarete und Sohn Winfried, der 1958 starb, gingen auf Hamstertour. Schließlich brauchten wir ja alle etwas zu essen."

1952 begann Marlene nach dem Volksschulabschluss eine Ausbildung als Büglerin und Fachkraft für chemische Reinigungen in Wemmetsweiler, die sie 1955 mit einer Prüfung abschloss. Sie war eine attraktive, aufgeweckte und vielseitig interessierte junge Frau, katholisch erzogen, war zur Kommunion gegangen und auch gefirmt worden. Schwester Elli: "1957 lernte sie bei einer Fastnachtveranstaltung im Rathaus von Wemmetsweiler den Bergmann Kunibert Schmidt kennen. Die Hochzeit war am 9. September 1959 in der St. Michael Kirche in Wemmetsweiler. "Unsere Mutter nähte die Hochzeitskleider für alle. Gefeiert haben wir im Nachbarort in einem Lokal. Mindestens 70 Gäste waren da. Es war ein großes Fest."

Das junge Paar baute in Eigenhilfe, wie man das damals nannte, ein Einfamilienhaus. 1963 war das Haus fertig. Es war keine glückliche Ehe. Hinzu kam, dass sich Ehemann Kunibert Schmidt bei einem Arbeitsunfall schwer verletzte, drei Monate bettlägerig krank war. Die Eheleute lebten sich auseinander, wurden später geschieden. Schwester Elli erzählt: "Sie lebte allein, hatte sicherlich auch die eine oder andere Beziehung. Aber nie eine gemeinsame Wohnung. Sie wollte ihre Selbstständigkeit nicht aufgeben. Meine Schwester Marlene war ein aufgeschlossener, vielseitig interessierter und begabter Mensch. Sie konnte fast alles. Sie konnte gut kochen, malen, basteln, nähen. Sie spielte Tennis, ging regelmäßig in die Sauna, fuhr mit dem Auto in Urlaub nach Holland, Spanien und Italien, besuchte Freundinnen. Auch eine Schönheitsfarm, wenn ihr danach war. Sie kleidete sich sehr modisch. Und sie liebte Musik, besuchte Konzerte. Sie schwärmte von Luciano Pavarotti, dem italienischen Startenor. Sie ging gerne mit Freunden aus. Sie liebte das Leben. Sie knüpfte Kontakte zu einer Agentur, die wohlhabende ältere Damen betreute. Sie wurde Gesellschafterin, ging mit den Damen ins Theater, zum Essen. Zeitweilig lebte sie in Stuttgart, dem Sitz der Agentur. Sie arbeite mit in einer Teemühle. Ein Mensch, der freundlich und hilfsbereit war."

Ihr Schwager Wolfgang Recktenwald sagt: "Sie war ein Kontaktmensch, konnte mitreden, aber auch zuhören: Und wenn wir Familienfeste feierten oder überhaupt etwas zu organisieren war, war sie da. Sie half immer, wenn sie konnte. Und ihre Kreativität war beinahe grenzenlos. Sie malte, fotografierte, bastelte sogar Serviertabletts, knüpfte Teppiche, strickte Strümpfe. Sie besuchte Flohmärkte, kochte Marmelade. Sie ging wandern, war mit dem Fahrrad unterwegs. Sie war allein, aber irgendwie immer beschäftigt, beruflich oder privat. Und wenn man sie fragte, warum sie allein lebt, sagte sie: "Ich suche einen humorvollen, ehrlichen Partner. Ich hätte gerne Kinder. Aber der Partner kam nicht und so kamen auch die Kinder nicht."

Und weil sie keine eigenen Kinder hatte, kümmerte sie sich um die Familie ihrer Schwester Elli und deren Kinder. Um Torsten, Jahrgang 1971, um Eva, Jahrgang 1977, und Boris, Jahrgang 1985. Sie war für die Kinder eine Art Ersatzmutter. Sie war allein. Aber irgendwie immer beschäftigt.

Ihr Schwager Wolfgang Recktenwald sagt leise: "Dann kam die Krankheit. Ende des vergangenen Jahres bekam sie manchmal keine Luft mehr. Sie glaubte, sie habe eine Allergie. Doch sie hatte, so stellte man im Evangelischen Krankenhaus in Saarbrücken fest, einen Herzfehler. Dann hatte sie im Krankenhaus einen Herzinfarkt und eine Lungenentzündung. Wir haben sie oft besucht."

Ihre Schwester Elli: "Wir waren am Tag ihres Todes bei ihr im Krankenhaus. Wir sind nach Hause gefahren. Dann kam ein Anruf aus dem Krankenhaus. Jemand sagte: ,Sie atmet noch.' Wir sind sofort hingefahren. Als wir dort ankamen, war sie schon tot."