Lernen für die Lehrstelle

Lernen für die Lehrstelle

Nach dem Schulabschluss haben Jugendliche auch im Saarland die Wahl: In die Lehre oder weiter zur Schule? Viele entscheiden sich für eine berufliche Schule. Weil sie keinen Ausbildungsplatz gefunden haben – oder um ihre Chancen vorab zu verbessern.

"Gleichungssysteme" steht an der Tafel der Klasse H 10 B im Kaufmännischen Berufsbildungszentrum (KBBZ) Saarlouis. Das Thema haben die Handelsschüler drauf. Es hagelt richtige Antworten. Rechnungswesen gehört zum Stundenplan, schließlich geht es um eine "gute Vorbereitung auf einen kaufmännischen Beruf", sagt Sarah Herber (17). Den wollen sie und ihre Mitschüler ergreifen. Vor einem knappen Jahr, nach ihrem Hauptschulabschluss, haben sie sich deshalb für eine Berufsfachschule entschieden - und erstmal nicht für eine Lehre. "Weil man mit der mittleren Reife bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz hat", sagt Alberto Steimann (17).

In berufsbildenden Schulen - neben der Berufsfachschule auch die Fachoberschule (FOS) - erhalten Schüler eine "berufliche Grundbildung" in einer Fachrichtung, wie Wirtschaft, Handel, Gewerbe oder Soziales. Hauptschüler ab einem Schnitt von 3,0 können auf Berufsfachschulen "berufsnah" die mittlere Reife machen. Wer die schon hat, kann auf der FOS die Fachhochschulreife zum Studium erwerben. Meistens entschieden sich ihre Absolventen aber für eine Lehre, auf die sie gute Chancen hätten, sagt Agnes Klein, stellvertretende Schulleiterin des KBBZ Saarlouis.

Trotz des Fachkräftemangels und vieler offener Lehrstellen seien die Anmeldezahlen an Berufsfachschule und FOS am KBBZ "konstant". Derzeit habe man zum Beispiel rund 250 Handelsschüler. Stimmen aus der Wirtschaft beklagen, dass dies den Azubi-Mangel noch verstärke. Aber, sagt Klein: "Mit Hauptschulabschluss ist es noch immer schwierig, einen Ausbildungsplatz zu bekommen". Die berufliche Schule sei ein Weg, "seine Qualifikation zu verbessern".

Für den höheren Schulabschluss entscheidet sich im Land etwa jeder fünfte Ausbildungsbewerber. Das geht aus Zahlen der Agentur für Arbeit hervor. Rund 20 Prozent aller gemeldeten Bewerber haben sich demnach 2011 und 2012 weiter für Schule oder Studium angemeldet. Auch aktuell suchten noch viele Bewerber eine Lehrstelle, seien aber "zur Sicherheit" auch etwa für eine Berufsfachschule angemeldet, sagt Jens Kaeswurm, Berufsberater der Arbeitsagentur in Saarbrücken. Die beruflichen Schulen seien "ein guter Weg für Jugendliche, die wissen, in welche Richtung sie gehen wollen." Der höhere Abschluss steigere ihre Chancen in vielen Berufen. Allerdings: "Die Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt ist weiterhin gut." Auch für Absolventen mit Hauptschulabschluss, die viele Betriebe doch stärker in den Blick nähmen.

Das sagt auch Justus Wilhelm, Bereichsleiter Ausbildung der Handwerkskammer des Saarlandes, und rät zu "sorgfältiger Überlegung", ob Schule der richtige Weg sei - eben wegen vieler offener Stellen. Wer sich mit theoretischem Lernen schwer tue, profitiere eher in der betrieblichen Ausbildung. Auch diese biete zudem Wege zur Karriere - bis zum Studium.

Zum Thema:

Am RandeEine Ausbildung zum staatlich geprüften Wirtschaftsinformatiker bietet die Höhere Berufsfachschule für Wirtschaftsinformatik am Kaufmännischen Berufsbildungszentrum (KBBZ) Saarbrücken-Halberg. Der "berufsorientierte Bildungsgang" dauert zwei Jahre, beginnt im August und richtet sich an Abiturienten und Fachabiturienten. Anmeldungen sind noch möglich, wie die Schule mitteilt. Anmeldeschluss ist der 24. Juni. Weitere Informationen unter Tel. (06 81) 88 00 60 oder im Internet unter www.hbfs-wi.de kes