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Bildende Kunst
Wütender Pinsel, bewegende Motive

Homburg. Die Galerie Beck in Schwarzenacker zeigt Werke des Österreichers Hans Sisa. Von Bülent Gündüz

Hans Sisa hat zwei große Talente. Der gebürtige Linzer ist seit seinem Studium am renommierten Salzburger Mozarteum Opernsänger. Dort hatte er aber nicht nur Gesang studiert, sondern auch Malerei und Bühnengestaltung. Seit den 1990er Jahren arbeitet er hauptsächlich als freischaffender Künstler.


Die aktuelle Ausstellung in der Galerie m Beck in Homburg-Schwarzen­acker (Am Schwedenhof 4) versammelt nun unter dem Titel „Aufruhr“ Gemälde und Zeichnungen aus den letzten Jahren. Die Überschrift ist gut gewählt. Sisas Malerei ist expressiv. Fast schon wütend scheint er mit Pinselhieben die kräftigen Farben pastos auf die Leinwand zu bringen. Während die Landschaftsbilder und die Ansichten des Hamburger Hafens ein bisschen zu pittoresk sind, überzeugen Sisas gesellschaftskritische Bilder. Ungezügelt und mit deutlichem Gestus malt Sisa gegen Tod, Leid und Ungerechtigkeit an. Nichts Menschliches ist ihm fremd. Seine Stärke ist, dass er selten pathetisch wird und doch emotional malt.

Sisas Arbeiten scheinen in den letzten Jahren zunehmend politischer zu werden. Immer wieder greift er aktuelle politische Themen auf und verarbeitet sie in seinen Werken. Dabei gelingt ihm das Kunststück, in einer Welt medialer Inszenierungen und täglicher Schreckensnachrichten wachzurütteln und zu einem Blick auf die Geschehnisse zu zwingen, der betroffen macht.

Das Großformat „Operation Geschlossene Gesellschaft“ versammelt ein raues Gelage nationalistischer Politiker um einen schwermütig dreinblickenden Hitler unter einer OP-Lampe. Und der Tod schaut aus dem Hintergrund zu. Der Titel ist ein subtiles Wortspiel, das auf die Abschottungspolitik rechter Parteien anspielt. „Dorn im Auge“ ist ein wuchtiges Porträt in Rot, Weiß und Schwarz mit einem Kopf in dessen Auge ein Kruzifix steckt. Während „Barocke Expression“ die schönen Seiten des Lebens in kräftigen Farben feiert, sind die Tuschearbeiten dystopische Traumsequenzen. Viele sind beunruhigend. Im Schwarz der Tusche wird „Venedig Carneval“ zur düsteren Szene mit einem schiefen Markusturm. Im Vordergrund sitzt eine deformierte Figur mit Totenkopf-Schädel und heruntergelassener Hose auf dem Markusplatz.

Aber auch seine eigene Welt setzt er ins Bild. Mal als surrealistischer Traum, dann als Maler, der seine Arbeit in Frage stellt. Da sitzt der Künstler müde und resigniert vor der Leinwand. Er „Wollte Menschen malen“, so der Titel eines Bildes, und erschuf Dämonen. Menschen zu malen, ist allerdings keine große Kunst. Da hat Sisa den besseren Weg gewählt.



Bis 3. April. Geöffnet: Mo - Fr 10 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.