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Literaturtage im Saarland
Tod durch Arzt – das Skalpell mitten ins Herz

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kul-invisible FOTO: Wunderlich Verlag
Saarbrücken. Bei den Literaturtagen stellt morgen das Autorenduo Poznanski & Strobel seinen neuen Krimi „Invisible“ in Saarlouis vor.

So einen Mord hat es wohl noch nicht gegeben: Gerade sind die Vorbereitungen für die Herzoperation abgeschlossen, der Brustkorb des Patienten ist geöffnet, als ein zweiter Chirurg den Operationssaal betritt – er sticht dem Patienten ein Skalpell mitten ins Herz.  Eigentlich bleibt für die Polizei nichts mehr zu tun. Es gibt Augenzeugen, und der Arzt streitet nichts ab. Überraschend ist seine Begründung: Der Tote habe im Internet eine sehr negative Kritik über die Privatpraxis des Arztes veröffentlicht, obwohl er dort gar kein Patient gewesen sei. Daraus habe sich bei dem Arzt ein Hass aufgebaut, den er nicht mehr hätte beherrschen können.


So beginnt „Invisible“, der neue von Ursula Poznanski und Arno Strobel gemeinsam geschriebene Thriller. Wie schon im Vorgängerroman „Anonym“ stehen Hauptkommissar Daniel Buchholz und seine Kollegin Nina Salomon als Ermittler und Erzähler im Mittelpunkt. Viel Zeit, sich um die Hintergründe der Tat im Hamburger Universitätskrankenhaus zu kümmern, hat das ungleiche Ermittlerteam nicht, denn weitere Morde erschüttern die Stadt. Ein Wohnungsmakler wird in seiner Wohnung erstochen, und an den Landungsbrücken wird ein Mann mit einem Baseballschläger erschlagen. Der Täter sagt aus, sein Opfer überhaupt nicht gekannt zu haben. Aber er konnte sich gegen den Hass auf diesen Mann nicht wehren.

Es scheint, dass ein Unbekannter in der Lage ist, andere zu unglaublichen Taten zu manipulieren. Viele Fragen stellen sich den Ermittlern: Wer ist verantwortlich für diese Mordserie, und mit welcher Begründung? Gibt es ein Muster, das Opfer und Täter so verbindet, dass man Rückschlüsse auf weitere Taten ziehen kann? Und vor allem: Wie bringt man jemanden dazu, zum Mörder zu werden?



Wie schon in ihren früheren gemeinsamen Werken „Fremd“ und „Anonym“ setzen Ursula Poznanski und Arno Strobel auch in „Invisible“ auf zwei Erzähler. Abwechselnd berichten Buchholz und Salomon von ihren Ermittlungen. So werden manche Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert und interpretiert, während andere Entwicklungen aus nur einem Blickwinkel dargestellt werden. Zugleich werden die Unterschiede zwischen dem überkorrekten Buchholz und seiner unkonventionellen Kollegin deutlich. Die Recherchen führen sie auf die Spur einer menschlichen Tragödie. Fast könnte man Verständnis entwickeln für das Vorgehen eines Menschen, der unsichtbar und mit ausgeklügelten Methoden Rache nimmt.

Poznanski & Strobel: Invisible. Wunderlich, 368 Seiten, 14,99 Euro.
Lesung: morgen um 19.30 Uhr im Saarlouiser Theater am Ring
Weitere Lesungen beim Literaturfestival „erLesen“: Ebenfalls morgen (19 Uhr) liest Ulrich Wickert in der Neunkircher Gebläsehalle aus seiner Autobiografie „Nie die Lust aus den Augen verlieren“. Desgleichen gastieren morgen Ralf Kramp, Sascha Gutzeit und Carsten Sebastian Henn unter dem Titel „Mords-Hochzeit“ zu einer „Krimi-Theater-Lesung“ in den Lichtspielen Wadern (Oberstraße 10).
www.erlesen-saarland.de