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Kolumne so kann’s gehen
Fleischkäs’ und die Russen

FOTO: Robby Lorenz / SZ

Ist es nicht fantastisch: Manchmal muss man gar nicht weit vor die Tür gehen und erfährt trotzdem Dinge aus der weiten Welt. Etwa, dass es in Russland offenbar keinen Fleischkäse gibt, Russen aber durchaus Geschmack am guten saarländischen Fleischkäs’ finden. Woher wir das wissen? Neulich begab es sich vor der Metzgereitheke eines großen Einkaufsmarktes, dass in der Warteschlange neben mir eine junge Frau, die an der Reihe war, einem anderen Kunden per Handzeichen bedeutete, ruhig vorzugehen. Und mit dem nächsten Kunden tat sie es genauso. „Na, die ist aber mal zuvorkommend“, dachte ich mir, um darauf festzustellen, dass es zumindest nicht die Höflichkeit allein war, die meine Nachbarin antrieb. Sie hatte nur darauf gewartet, bis eine bestimmte Fleischereifachverkäuferin frei geworden war, die sie offenbar kannte, und die flüssig Russisch sprach. Jedenfalls begannen die beiden munter auf Russisch zu parlieren, und die Kundin bestellte augenscheinlich auch in ihrer Sprache. Dann fiel der legendäre Satz der Kundin, der sich etwa so anhörte: „U menja ohotno byla by odna chetvert‘ funta Fleischkäse“ – woraufhin sie ein Viertelpfund Fleischkäse bekam und wir messerscharf schlossen: Auf Russisch gibt’s a) kein Wort für Fleischkäse und somit b) auch nicht das Objekt der Einkaufsbegierde, aber offenbar funktioniert c) Integration auch ganz fantastisch durch den Magen.