Diskussion um Landärzte in Blieskastel

Blieskastel : Schöne Aufgabe, große Herausforderung

Medizinische Versorgung auf dem Land Thema einer CDU-Podiumsdiskussion.

Der Bliesgau mit Mittelzentrum Blieskastel gehört zum eher ländlich geprägten Raum. Und genau dieser ländliche Raum ist neuerdings in den Fokus gerückt, schließlich gibt es einen Trend zum Leben in der Stadt. Aber wer den ländlichen Raum attraktiver machen will und vermeiden möchte, dass auch immer mehr Familien vom Land wegziehen, der muss auch die medizinische Versorgung der Landbevölkerung im Fokus haben.

Die CDU hatte unter diesem Blickwinkel zu einer Info- und Diskussionsveranstaltung in den großen Veranstaltungssaal der Bliestal Kliniken in Lautzkirchen eingeladen. Der überaus spannenden und interessanten Diskussion folgten leider nur gut 30 Gäste. Moderiert wurde die Diskussion von der Blieskasteler Landtagsabgeordneten Jutta Schmitt-Lang. Sie konnte Staatssekretär Stefan Kolling vom Sozialministerium begrüßen, ebenso Thomas Schneider, kaufmännischer Direktor der Lautzkircher Kliniken. Weiterhin diskutierten der ärztliche Direktor der psychosomatischen Abteilung der Bliestal Kliniken, Dr. Michael Käfer, der Altheimer Landarzt Dr. Raban Baumann sowie Blieskastels Seniorenbeauftragter Heinz Schöndorf. Zunächst gab es in einem Impulsreferat des Staatssekretärs Daten und Fakten zum deutschen und auch dem saarländischen Gesundheitssystem. Viele Desinformationen würden da auf dem Medienmarktplatz verbreitet, vieles sei gleichwohl gut bis ausgezeichnet im saarländischen Gesundheitswesen.

„Viele Deutsche wollen bei Krankheit im Urlaub im Ausland sofort zurück nach Deutschland“, erinnerte der Staatssekretär daran, dass deutsche Mediziner und medizinische Einrichtungen ein sehr gutes Renommee hätten. Auch sei die Versorgung auf dem Land noch einigermaßen gut gewährleistet, aber es gebe eine große Anzahl von Ärzten, speziell Landärzten, die sich in den nächsten Jahren in den Ruhestand verabschiedeten. Kolling erinnerte an das saarländische Prämiensystem, wodurch in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung finanzielle Anreize für Mediziner geschaffen würden, sich auf dem Land niederzulassen. „Und auch die Kommunen können Anreize bieten“, forderte er Kommunalpolitiker zum Handeln auf.

Thomas Schneider verwies auf vielfältige Modelle von Zusammenarbeiten seiner Klinik mit niedergelassenen Ärzten. So werde ein Teil der Arbeitszeit in der Klinik eingebracht, ein weiterer Anteil in der eigenen Praxis. Dr. Michael Käfer informierte über das von dem Bliestal Kliniken praktizierte Modell der „integrierten Versorgung“, wodurch zuverlässig und schnell geholfen werden könne.

Schneider könnte sich auch vorstellen, dass man den Ärztemangel zudem durch einen Abbau von Studienbeschränkungen (Numerus clausus) abfedern könne. Der Altheimer Landarzt Dr. Raban Baumann berichtete von seinem Leben als Landarzt, wo man noch „sein eigener medizinischer Herr“ sein könne. Eine Landarztpraxis sei eine schöne Aufgabe, aber auch eine große Herausforderung: „Es gibt keine geregelten Arbeitszeiten“, versicherte der Landmediziner. Eigentlich müsste man heutzutage für den Betrieb einer Landarztpraxis drei Mediziner haben. Es wurde auch herausgearbeitet, dass inzwischen über 60 Prozent der Medizinstudenten weiblich seien.

Und oft wollten die jungen Medizinerinnen eher nur in Teilzeit arbeiten. Heinz Schöndorf sprach dann auch noch das Mobilitätsproblem an, weil ältere Mitbürger oft nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln in ländlichen Räumen die entsprechenden Ärzte oder Einrichtungen erreichen könnten: „Mobilität ist das A und O“, so der Seniorenbeauftragte aus Riesweiler. Weitere Themen in Lautzkirchen, bei der von Jutta Schmitt-Lang sehr einfühlsam moderierten Podiumsdiskussion, waren dann noch unter anderem die Dichte der Krankenhäuser sowie Chancen, Grenzen und Möglichkeiten der Telemedizin.

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