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Pflegen, Graben, Bauen

Der Spaten ist nur eines von vielen Werkzeugen, mit denen Nick Jung umgehen können muss. Gerade die Vielseitigkeit gefällt dem Azubi. Foto: Dietze
Der Spaten ist nur eines von vielen Werkzeugen, mit denen Nick Jung umgehen können muss. Gerade die Vielseitigkeit gefällt dem Azubi. Foto: Dietze FOTO: Dietze
Saarbrücken. Nick Jung arbeitet als Azubi im Deutsch-Französischen Garten. Für seinen Traumjob als Landschaftsgärtner muss er sehr vielseitig sein. Daniel Konrad

Locker stapft Nick Jung über die Rasenfläche. Der Spaten liegt lässig auf seiner rechten Schulter auf. In den schwarzen Arbeitsschuhen, der grün-schwarzer Hose und dem grauem Kapuzenpullover erreicht er schließlich ein Beet und beginnt, die Erde umzugraben. Jung ist einer von aktuell fünf Auszubildenden der Stadt Saarbrücken im Bereich Garten- und Landschaftsbau, die im Deutsch-Französischen Garten (DFG) arbeiten.



Jungs Job ist vor allem vielseitig. Mal muss der 19-Jährige Beete umgraben, dann wieder Pflanzen pflegen und auch mal einen Teich anlegen. "Es ist jeden Tag etwas anderes zu tun. Diese Abwechslung gefällt mir", sagt der Ensheimer. "Außerdem bin ich einfach gerne draußen an der frischen Luft."

Schon während der Schulzeit hatte er großes Interesse an Garten und Bauarbeiten. Zu Hause packte er mit an. Bei Arbeiten in der Nachbarschaft schaute er neugierig zu. Auch sein Schulpraktikum absolvierte er in einem Gärtnerei-Betrieb. Daher musste Jung nach seinem Realschulabschluss im Frühjahr 2014 nicht lange überlegen, auf welche Ausbildungsstellen er sich bewirbt. Fachabitur oder Abitur kamen für ihn nicht infrage. "Ich war nicht schlecht in der Schule, aber ich hatte keine Lust weiterzumachen. Ich bin eher der praktische Typ", erzählt er. Außerdem reizte es ihn, schnell sein erstes eigenes Geld zu verdienen.

Dafür nahm er anfangs auch lange Bus- und Bahnfahrten in Kauf. Etwa eine Stunde brauchte er von Ensheim bis zum DFG. Und das in aller Frühe: Denn im Sommer beginnt die Arbeitszeit um 6.30 Uhr, im Winter nur eine halbe Stunde später. "Das war schon echt nervig, aber mit dem Auto brauche ich jetzt nur noch eine Viertelstunde", sagt Jung. Der zeitliche Aufwand hat sich für den Azubi aber gelohnt. Nach bestandener Prüfung soll er in einem Außenbezirk übernommen werden. Einen Teil hat er sogar schon geschafft.

Vor etwa drei Wochen hat er die schriftliche Prüfung absolviert. "Ich hatte vor dem Schriftlichen ein bisschen Angst. Die Themen sind sehr umfangreich", sagt der Azubi. Mathematische Fächer gehören dazu. Auch müssen die Auszubildenden beispielweise Pflanzen an ihrem Aussehen erkennen und den botanischen sowie den deutschen Namen dazu wissen. Letzteres machte Jung am meisten Probleme, aber im Nachhinein ist er "ganz zufrieden mit der Prüfung". Am 7. Juni muss er sein Können auch praktisch unter Beweis stellen. Doch wenn er darüber spricht, wirkt er selbstsicher und scheint sich darüber eher wenig Gedanken zu machen. Das liegt sicher auch daran, dass sich der 19-Jährige gut vorbereitet fühlt. Und das ist vor allem seinen Arbeitskollegen zu verdanken. "Die haben Geduld, auch mal etwas zwei oder drei Mal zu erklären", sagt er.



Aber auch Jung selbst hat Eindruck hinterlassen. Werner Trenz, der für die Ausbildung im DFG zuständig ist, schwärmt jedenfalls vom Fleiß seines Azubi. Momentan sei es schwer, gute Auszubildende zu finden. "Der Beruf ist nicht mehr so gefragt. Es ist körperlich schwere Arbeit, und auch die schulischen Anforderungen sind umfangreich", sagt Trenz. Ein weiterer Grund für das wachsende Desinteresse sieht er in der Situation im Saarland. "Hier hat jeder seinen eigenen Garten, wo er rumwerkeln kann. Daher hat der Beruf hier nicht so einen hohen Stellenwert wie in anderen Bundesländern", sagt er.

Auf Jung trifft das auf jeden Fall nicht zu. Er ist glücklich, diesen Weg gewählt zu haben. "Ich würde alles noch mal genauso machen. Es hätte für mich nicht besser laufen können", sagt der Azubi und hat sich schon sein nächstes Ziel gesetzt: "Wenn ich mich nach der Übernahme eingearbeitet habe, würde ich schon gerne irgendwann meinen Meister machen." Er scheint seinen Traumjob gefunden zu haben.