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Geschichte
Vorsicht vor dem kleinen, grünen Stacheltier!

Auf der Suche nach Futtervorrat für den Winter macht die kleine Waldmaus eine furchteinflößende Entdeckung. Von Elke Bräunling

Für Mäuse war die Herbstzeit eine anstrengende Zeit. Vorräte mussten gesammelt und gut aufbewahrt werden. Sobald es dämmerte, war Familie Waldmaus in Wäldern und Feldern unterwegs. Hunger im Winter war nämlich eine schlimme Sache!


„Strengt euch an!“, sagte Opa Maus. „Ein satter Bauch erleichtert uns die Kälte. Sammelt alle Vorräte, die ihr finden könnt!“ Und so waren alle Mäuse in diesen Herbsttagen unterwegs. Auch die kleine Waldmaus durchstreifte den Wald. Viele Nüsse und Bucheckern hatte sie schon gesammelt und so langsam fühlte sie sich ein bisschen müde. „Noch eine Nuss muss ich finden“, nahm sie sich vor. „Dann ruhe ich mich aus.“

Doch sie konnte einfach keine Nuss mehr finden. Tiefer in den Wald aber wollte sie nicht gehen. „Das ist gefährlich!“, hatte Opa Maus gewarnt. Aber sie musste diese letzte Nuss doch unbedingt finden! Die kleine Waldmaus dachte nach. Dann huschte sie schnell auf die andere Seite des Weges und betrat vorsichtig das fremde Wäldchen.



Ein Schritt und noch ein Schritt und noch einer. Sie spähte nach allen Seiten. „Sei immer auf der Hut!“, hatte Opa Maus gesagt. Daran dachte die kleine Waldmaus nun. Sie war so vorsichtig und so sehr auf der Hut, dass sie vor lauter Hin- und Herschauen nicht mehr auf den Waldboden achtete. Da passierte es. Sie trat auf ein seltsames Ding mit vielen kleinen spitzen Stacheln. Au! Das tat weh!

„Autsch!“, schrie die kleine Maus auf. „Ein Feind! Hilfe!“ Sie zuckte zurück. Diese spitzen, schmerzenden Stacheln kannte sie doch! Das musste ein Igel sein. Und diese gefräßigen Igel waren immer hungrig und gefährlich für kleine Waldmäuse wie sie.

„Hilfe!“, rief sie wieder. „Bist du ein Igel? Ein kleiner grüner Igel?“ Das Stachelding schwieg. Ohne sich zu bewegen lag es vor der kleinen Maus auf dem Boden und tat… nichts. „Ich kenne keine grünen Igel“, sagte die Waldmaus grübelnd, die sich schon ein bisschen weniger fürchtete. „Aber sag, wer bist du?“

„Das ist ein Kastanienigel“, brummte eine Stimme aus dem Heidelbeerstrauch. „In seinem Stachelbauch verbirgt er einen kostbaren Schatz. Eine leckere, süße Kastanienfrucht. Ich aber bin ein echter Igel. Doch fürchte dich nicht, kleine Maus. Ich habe keinen Appetit auf Waldmäuse.“

Ein Igel? Die Waldmaus erschrak so sehr, dass sie sich nicht bewegen und schon gar nicht fliehen konnte. So starr war sie vor Angst. Der Igel kam näher. „Ich habe eine riesengroße Lust auf eine süße, leckere Kastanie. Ich muss sie nur aus ihrem grünen Stachelkleid befreien“, sagte er. „Hilfst du mir?“ Die kleine Waldmaus hatte noch immer ein kleines bisschen Angst, sagte dann aber: „J-j-ja... in Ordnung.“ Der Igel freute sich. „Prima!“, rief er.

Und dann half die kleine Waldmaus ihrem neuen Freund, die Kastanienhülle, die sogar für einen stacheligen Igel zu stachelig war, zu öffnen. Und der Igel hatte recht: Die Kastanie, die sich hinter den Stacheln versteckte, schmeckte prima. Sie war sogar so lecker, dass die Maus und der kleine Igel noch viele Kastanienstachelhüllen in diesem Herbst gemeinsam öffneten. Und Angst vor Igeln hatte die kleine Maus von da an auch nicht mehr.