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Gedenkfeier
Gedenken an die Horrornacht – Schüler gestalten Erinnern mit

Bürgermeister Marcus Hoffeld (links) legte mit (v.l.n.r.) Merzigs Ortsvorsteher Manfred Klein, Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich, dem 1. Beigeordneten  Dieter Ernst und dem Landtagspräsidenten Stephan Toscani einen Kranz in Gedenken an die Reichspogromnacht nieder.
Bürgermeister Marcus Hoffeld (links) legte mit (v.l.n.r.) Merzigs Ortsvorsteher Manfred Klein, Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich, dem 1. Beigeordneten  Dieter Ernst und dem Landtagspräsidenten Stephan Toscani einen Kranz in Gedenken an die Reichspogromnacht nieder. FOTO: Tina Leistenschneider
Merzig. Von Tina Leistenschneider

„Wir vergessen nicht!“, sagte Bürgermeister Marcus Hoffeld am Freitag bei der Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht in Merzig. Mit einer Kranzniederlegung erinnerte die Kreisstadt an die Nacht vom 9. zum 10. November 1938, in der vor 80 Jahren Synagogen und Geschäfte von Juden brannten. Polizei und Feuerwehr schauten tatenlos zu, die systematische Verfolgung und Vernichtung von Juden begann.


Hoffeld sprach von einem „der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte“ und mahnte dazu, diese und die nachfolgenden Ereignisse der NS-Zeit sowie die Judenverfolgung nicht zu vergessen. „Wir wollen uns diesen Verbrechen der Vergangenheit stellen, genauso wie den daraus folgenden Verpflichtungen für die Gegenwart und für die Zukunft.“ Gleichzeitig verurteilte er die Anhänger und Verbreiter von Rassismus, Antisemitismus sowie Rechtspopulismus und betonte: „Lassen Sie uns heute gemeinsam ein deutliches Zeichen setzen. Wir werden nicht zulassen, dass Menschen aufgrund ihrer Rasse oder Herkunft oder ihres Glaubens diskriminiert, verfolgt oder bedroht werden.“

Schüler der zwölften Klasse des Gymnasiums am Stefansberg gestalteten unter Anleitung von Annemay Regler-Repplinger und Lehrer Klaus-Dieter Silvanus die Gedenkstunde und schilderten, wie damals eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entstand. Juden wurde unter anderem das politische Recht sowie das Wahlrecht aberkannt, Ehen zwischen Juden und Ariern wurden für nichtig erklärt.



Außerdem trugen sie das Gedicht „Pogrom“ von Gustav Regler, den Hoffeld „einen bedeutenden Sohn unserer Stadt“ nannte, und weitere Beiträge aus Geschichte und Literatur vor.

Wie die Schüler des Gymnasium am Stefansberg hervorhoben, stehen sie als Vertreter für eine junge Generation, die ein Zeichen gegen Extremismus und für die Demokratie, für die Meinungsvielfalt und ein friedliches Miteinander setzen wolle.Gleichfallsgedachten sie dem antisemitischen Anschlag auf eine Synagoge in Pittsburgh vor einer Woche, bei dem ein überzeugter Antisemit einen gezielten Anschlag auf jüdische Mitbürger ausübte und elf Menschen tötete. Dies zeige, wie allgegenwärtig Antisemitismus ist.

„Erinnern bedeutet, an Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu denken“, sagte der saarländische Landtagspräsident, Stephan Toscani. Wie die systematische Ausgrenzung überhaupt möglich war? „Weil die Nazis durch ihr Regime vorgemacht haben und diktierten, dass Juden nicht zur Gesellschaft dazu gehören“, erklärte Toscani und mahnte, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen und daraus zu lernen.

„Dieses teuflische Muster der Ausgrenzung gilt es zu erkennen und dafür zu sorgen, dass es nicht mehr passiert“, sagte Toscani. Um dies zu erreichen, appellierte er an die Achtsamkeit der Gesellschaft und rief dazu auf, nicht zu schweigen, sondern „den Mund aufzumachen“.