Toronto ist eine Stadt der tausend Möglichkeiten

Toronto : Die pulsierende Metropole am See

Toronto, die größte Stadt Kanadas, überrascht Besucher mit ihrem weiß gezuckerten Strand und den vielfältigen Möglichkeiten.

Entspannt im Liegestuhl unterm Schirm die Sonne genießen, feinen Sand durch die Finger rinnen lassen, einen Cocktail schlürfen, Schiffen mit windprallen Segeln nachschauen. Das sind Urlaubsimpressionen, die Reisende an vielen Stränden dieser Welt genießen können. In Toronto, der quirligen kanadischen Millionen-Metropole am Ontario-See, vermutet man sie als Teil einer Städtetour eher nicht. Dennoch gibt es dort diesen Strandabschnitt, genannt Sugar Beach. Er ist Teil der neu gestalteten „Waterfront“ (Seeufer) von Kanadas Finanzzentrum mit Parks, Piers, Läden, Lokalen und Bühnen.

Wenige hundert Meter dahinter im Finanzdistrikt pulsiert das Leben. Dort erhebt sich die Skyline Torontos. Banken, Versicherungen, Konzerne, Ratingagenturen sowie große Prüf- und Beratungsunternehmen sind hier zu Hause. Himmelhohe Wolkenkratzer mit glänzenden Spiegelglasfassaden und zahllose Apartmenthochhäuser drücken dem Stadtzentrum von Toronto ihren Stempel auf.

Die Besucher müssen nicht durch Straßenschluchten laufen, um dieses urbane Kraftpaket mit seiner Vitalität auf sich wirken zu lassen. In Windeseile bringen sie vier Außenaufzüge auf den Turm CN Tower. Das Wahrzeichen Torontos und ganz Kanadas ragt 553 Meter in den Himmel und zählt damit zu den höchsten Bauwerken der Welt. In 346 Metern Höhe betritt der Besucher die Aussichtsplattform und kann in einer grandiosen Rundum-Sicht hinter dicken Glasscheiben den Blick über Stadt und See schweifen lassen. Einen Vorgeschmack bietet die CN Tower Viewfinder App, über die man den 360-Grad-Rundgang auf seinem Smartphone miterlebt. Wer den besonderen Kick mag, kann auf der 447 Meter hohen zweiten Plattform den Edge Walk wagen. Dabei spaziert man mit Sicherheitsleine auf einem 1,50 Meter breiten Vorsprung ohne Geländer um die Spitze des Turms.

Wieder unten angekommen, kann der Toronto-Tourist ohne Umwege und trockenen Fußes in die Tiefe des Meeres eintauchen. Dort breitet sich in Ripley‘s Aquarium eine Unterwasserwelt aus, die das maritime Leben zeigt von bunten Bewohnern eines Korallenriffs über kalt blickende Tigerhaie bis zu dichten Fischschwärmen oder zerbrechlich wirkenden Seepferdchen. 16 000 Salz- und Süßwasser-Spezies können hier beim Rundgang durch die Tunnelwelt des Megaaquariums bewundert werden. Tickets zum Besuch des CN Towers und von Ripley‘s Aquarium werden zusammen mit drei anderen Anlaufpunkten zum Preis von rund 75 Euro als City-Pass angeboten.

Zu den weiteren im Pass enthaltenen Attraktionen gehört die Casa Loma, eine Mischung aus Burg und Schloss im Norden der Stadt – mit Zinnen, Türmen und Fassaden, bei denen die Architekten europäische Vorbilder gut kopiert haben. Erbauen ließ Casa Loma der kanadische Industrielle Sir Henry Pellatt vor mehr als 100 Jahren. 1914 wurde es fertig und war damals mit seinen 98 Zimmern die größte private Residenz Nordamerikas.

Sir Henry rutschte 1923 in die Pleite und musste Casa Loma zu einem Spottpreis verkaufen. Dennoch blieb die Inneneinrichtung bis heute erhalten, so dass sich der Besucher leicht ins Leben der Reichen von vor 100 Jahren hineinversetzen kann. Oft dient der imposante Bau auch als Filmkulisse, was bei Kino- und Serienfans zu Aha-Erlebnissen führt, wenn sie an einem Großbild-Monitor vorbeikommen, wo die dort gedrehten Szenen gezeigt werden. Zum City-Pass-Angebot gehören zudem noch Museums- und Zoobesuche.

Doch bei einer Toronto-Tour lohnt auch der Blick in die Viertel der Einwanderer und kleinen Leute. Hier erinnern die Häuserfassaden eingedenk der früheren Kolonialherren an englische Vorstädte, auch wenn die Quartiere Little Italy (kleines Italien) oder Portugal heißen. Nur in Chinatown mit seinen grellbunten Fassaden und chinesischen Schriftzeichen wähnt man sich im Reich der Mitte und beobachtet fasziniert die quirlige asiatische Geschäftstüchtigkeit. Das hippe Herz dieser Gegend am Westrand der Innenstadt ist Kensington Market. Hier kann man es ruhig angehen lassen, in verwinkelten Trödelläden versinken, Graffiti-Künstlern beim Sprühen zuschauen oder in dunklen Spelunken mit verrückten Kerlen über Gott und die Welt reden. Die Hektik des Finanzdistrikts ist vergessen.

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